Sandra Dirks im schwarzen Oberteil vor einem Hintergrund mit unscharfen Menschen

Ich will auf die Bühne, aber ohne besorgte Bürger

Sonntagsgedanken

Vergangene Woche ging es ums Loslassen, also darum, dass ich der KI viel zu oft reinrede, statt sie einfach machen zu lassen. Heute kommt der zweite Teil, nämlich das, was ich mit all dieser Begeisterung eigentlich vorhabe, und das, was mich bisher davon abhält.

Der Hasenfuß heißt nicht Technik, er heißt Killerphrase

Was mich wirklich nervt, ist, mit Menschen darüber zu reden, wie sie das alles datenschutzsicher kriegen. Klar, man muss sich kümmern. Aber man darf sich nicht komplett einschüchtern lassen. Nicht: „Geht ja sowieso nicht, dürfen wir nicht, kann man bei uns nicht machen.“ Sondern: Was müssen wir tun, damit es geht? Das sind die Fragen, die mich antreiben.

So wie: „Ich möchte in meinem Video ein schönes Lower Third, eine Bauchbinde mit meinem Namen, die auf eine ganz bestimmte Art unten reingeführt wird.“ Dann frage ich so lange, bis es so aussieht wie vorgestellt. Oder annähernd. Oder ganz anders, aber viel cooler. Das hat nichts mit Meckern zu tun. Es kann doch nicht der Grund sein, diese ganzen Sachen zu stoppen oder nicht mitzugehen.

Meine eigentliche Angst: Jemand fragt wieder „Ist aber gefährlich, Datenschutz“, und ich kann eben nicht einfach antworten „F*** dich und geh nach Hause“, weil das eine solche Killerphrase ist. In meinem Buch habe ich drei Killerphrasen beschrieben, denen man Paroli bieten kann. Trotzdem bleibt es schwierig. Die Klimaleute kommen auch noch, mit einer Kritik, die ihre Berechtigung hat.

Denselben Reflex erlebe ich beim Buch. Ich habe mir alles Mögliche überlegt, um Lust reinzubringen, damit die Leute nicht nur die Datenschutznummer lesen, sondern Lust bekommen, selbst etwas auszuprobieren. Genau das will ich: Lust machen. Nicht hinterher jedes Mal beteuern, dass es ja auch Probleme gibt.

Das kenne ich alles schon

Während ich das hier schreibe, geht mir auf, warum mich diese Abwehr so triggert. Ich habe ein Déjà-vu, und das will ich schneller loswerden als das schlechte Gefühl von damals.

2003 habe ich mein erstes interaktives Live-Online-Seminar erlebt. Ab 2010 hatte ich endlich die Möglichkeit, online richtig mit Menschen zu arbeiten. Bis Corona kam und die ganze Sache befreite, war das zäh. Selbst in der Goldgräberstimmung am Anfang, mit wunderbaren Leuten im Bootcamp, die Lust hatten und sich reinhängten. Zum Ende des Corona-Jahres saßen immer noch welche da, die schlecht gelaunt waren, keinen Bock auf Online hatten und mauerten wie verrückt, mit pseudo-technischen Fragen. Manchmal dachte ich: Ja, du Zicke, wenn du nicht ständig sabotieren würdest, könnten wir endlich das tun, worauf ich Lust habe, und alle anderen in diesem Raum auch. Du stoppst, du störst!

Ich wollte den Menschen die Angst nehmen, um endlich meine Ideen unterzubringen. So richtig geglückt ist das nie, nicht, weil ich es nicht gekonnt hätte, sondern weil es wahnsinnig viel Energie kostet, gegen eine Mauer aus Stumpfsinn und Frechheit anzuarbeiten. Wie soll ich das Kreative, das Unterhaltsame, die guten Sachen aus der Tasche holen, wenn die ganze Zeit gemauert wird? Du hast eben nicht unendlich Zeit, die Leute mitzunehmen.

Genau dieselbe Mauer sehe ich jetzt bei der KI. Genau diese Mauer, die hält mich auch zurück.

Trotzdem will ich da raus

Dabei hätte ich richtig Bock, mit meinen Learnings rauszugehen. Keine Workshops, bewusst keine, sondern Vorträge. Auf eine Bühne gehen und erzählen, was man Tolles damit machen kann. Wie es uns helfen kann, KI nicht als Feindbild zu sehen, sondern als Einstieg, die eigene Zukunft zu gestalten. KI ist gekommen, um zu bleiben, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Vergangene Woche hat mir ein herrlich verrückter YouTuber aus der Seele gesprochen: Geh raus, halt Vorträge, bring deine Expertise unter die Leute. Daraufhin habe ich endlich gedacht: Ja, genau darauf hätte ich Bock.

Jedes Mal, wenn ich diesen Gedanken habe, melden sich zehn andere: Willst du das wirklich? Die sitzen doch alle mit schlechter Laune da. Was sagst du, wenn jemand fragt: „Wie sehen Sie das mit dem Datenschutz?“ oder „Wie gefährlich ist es, wenn der Code aus seinem Ordner raushopst?“ Ehrlich: Darauf habe ich nur Grundantworten. Ob Claude Code bei dir zu Hause etwas anrichtet, ist mir egal. Würde er es bei mir tun, wäre es doof, aber dann wäre es ein Zeichen, dass ich etwas anders machen oder lernen muss. Was die Claudes Gutes tun, ist sowieso um ein Vielfaches mehr als das, was theoretisch schiefgehen könnte. Über diese Angst-Fragen will ich gar nicht reden. Ich will über das reden, was es mir im Alltag gibt: dass sich meine Kreativität endlich wieder freibuddelt.

Ich will dabei gar nicht die große KI-Expertin sein, das bin ich auch nicht. Ich bin eher Fangirl, im Fanclub der Claudes, Mitgliedsnummer eins, vermutlich. Genau deshalb reizt mich ein Thema, das polarisierender kaum sein könnte. Ich möchte Menschen ermutigen, einfach anzufangen.

Noch etwas zu diesem Vortrag: Hinterher gibt es keine Diskussion. Auf negative Fragen antworte ich nicht, und das sage ich gleich zu Beginn. Erlaubt ist: Wie geht das noch mal? Was genau hast du da gemacht? Wieso hast du so romantisch mit Claude geflirtet? Das beantworte ich alles mit Freuden. Alles, was kritisch oder mies an die Sache rangeht, lasse ich an mir abperlen.

Ich bin es leid, dafür Energie zu verschwenden. Das Leben hat mir gerade in diesem Jahr wieder gezeigt, wie kurz es sein kann. Mit den bescheuerten Fragen besorgter Bürger will ich es nicht füllen. Ich möchte sagen: So ist es heute, das ist der Stand, lasst uns schauen, was wir damit anfangen. Ohne naiv zu sein: Klar, muss man die Dinge grundsätzlich absichern. Auf alles andere habe ich keine Lust.

Ich sehe mich richtig vor mir: Ich gehe in einem schicken Outfit auf die Bühne, große Geste, viel Lust, viel Spaß und ja, auch Inhalt. Dann kommt diese eine Killerphrase. Vielleicht ist es Trainingssache, einfach darüberzugehen. Lieber hätte ich von meinen Auftraggebenden vorab das Okay, so eine Frage einfach überhört zu haben.

Also: Falls du das hier liest und denkst, du würdest die Sandra gern mal für einen solchen Vortrag einladen, dann ja, unbedingt. Ich lasse mich dafür bezahlen. Du ahnst vielleicht, wofür ich spare: ein Haus am Ostseestrand, mit Pool und Doppelgarage.

Ich wünsche dir einen wunderschönen Sonntag.

Gedruckte Signatur mit Logo von Sandra Dirks

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