So kürzt du deine Texte fürs Flipchart

Visualisierungstipps
Sandra Dirks - So kürzt du deine Texte fürs Flipchart

Ein wesentlicher Punkt beim Visualisieren besteht im Weglassen.

Im Visualisierungstraining ist das auf jeden Fall immer ein Thema. In jedem dieser Trainings komme ich irgendwann an den Punkt, an dem ich den Teilnehmern erkläre, dass weniger mehr ist. Das ist gut, und die Teilnehmer nehmen das in der Regel dankbar auf. Leider hat die ganze Sache einen Haken, denn ich beziehe mich damit nur auf einen Teil in diesem Training, und das sind die Icons, die kleinen Bilder, die man so herrlich aus den Grundformen erstellen kann.
Texte fürs Flipchart sind dagegen immer der unsexy Part im Visualisierungstraining.

Verzückt visualisieren wir dann alle gemeinsam mit Rechtecken, Kreisen, Dreiecken, und sogar Schlangenlinien. Besonders verzückt sind dann auch alle – mich eingeschlossen – von der unglaublichen Wirkung, die dieses Weglassen auf die kleinen Bildchen hat. Das Highlight, im Grunde auch der wichtigste Part in so einem Training, weil sich schnell Erfolge zeigen, und die Ideenmaschinen in den Köpfen auf Hochtouren laufen. Das macht ja auch einfach Spaß. Es ging mir ganz genauso, als ich vor einigen Jahren selbst mein erstes Visualisierungstraining, oder auch den Onlinekurs besuchte. Das war es schließlich, was ich lernen wollte.

Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Nur müssen wir das Gelernte auch in den Alltag integrieren.

Klar hast du alle diese Bilder im Kopf, aber was genau kannst du davon verwenden, wenn du eben mal schnell eine Arbeitsanweisung aufs Flipchart bringen musst?

Vielleicht die Glühlampe, den Wecker, und ähh…Dings, vielleicht. Vielleicht hast du auch die eine oder andere Geheimzutat. Ein besonderes Bild vielleicht. So weit, so gut.
Stell dir vor, du hast eine Arbeitsaufgabe, die deine Teilnehmer erledigen sollen. Diese Aufgabe möchtest du aufs Flipchart bringen.

Weglassen oder Kürzen des Textes, das war gar nicht Thema im Visualisierungstraining. In meinen Trainings auch nicht. Bisher…

Genau diese Textfülle ist es, die die Teilnehmer auch nach dem Visualisierungstraining auf ihre Flipcharts bringen wollen, die macht es ihnen oft schwierig, das Gelernte weiter zu verfolgen. Da ist dann oft kein Platz für anschauliche Visualisierungen. Schließlich steht da schon der Text.

In diesem Beitrag gebe ich dir daher ein paar Tipps mit auf den Weg, um dich dabei zu unterstützen, diese Transferlücke ein wenig zu schließen.

 

  1. Tipp: Dein Text als Tweet

Was ganz genau sollen die Teilnehmer machen? – Schreibe dir die Worte ganz genau auf. Schreibe sie in wörtlicher Rede auf. Jetzt stell dir vor, dass du nur exakt 140 Zeichen zur Verfügung hast.

Wenn du einen Twitter-Account hast, dann weißt du längst, wovon ich spreche.

Für alle anderen: Ein Tweet (eine öffentliche Nachricht auf Twitter) darf maximal 140 Zeichen inklusive Leerzeichen haben. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Wie oft habe ich schon an einem Tweet herumgefeilt, nur damit das von den Zeichen her passt. Manchmal schummelt man auch einfach, und lässt z.B. Satzzeichen einfach weg. 😉

Blöd ist es, deine Botschaft auf zwei Tweets aufzuteilen. Da geht dir etwas verloren, womöglich sogar die Pointe. Die beiden Tweets mit jeweils einem Teil der Nachricht gehen gerne mal in der Masse der Kurznachrichten unter.

Sandra Dirks - 5 Tipps für kürzere Texte auf dem Flipchart

Übertragen wir das mal auf Flipcharts, dann musst du zugeben, dass zwei vollgeschriebene Flipcharts echt laaaaangweilig sind. Schade, dass du dir so viel Arbeit machst, für etwas das langweilig ist. Findest du nicht auch?

Welche der Informationen brauchen deine Teilnehmer unbedingt, um die Aufgabe wirklich gut lösen zu können?

Kürze deinen Text soweit, bis du an die Essenz der Aussage kommst. Ich weiß, dass das echt schwierig ist, aber es lohnt sich wirklich. Am Ende freust du dich, weil es viel knackiger und einprägsamer wird.

 

  1. Tipp: Lass die Gruppenfindung weg!

Manche Trainer gehen sehr übervorsichtig mit ihren Teilnehmern um. Ich kann mir da auch an die eigene Nase fassen. Manchmal haben wir scheinbar den Wunsch, alles über zu regeln.

Es gibt Trainings, in denen möchtest du gruppendynamische Prozesse beobachten, oder genau sehen, wie sich die Teilnehmer z.B. in Gruppen zusammenfinden. Wenn das wirklich wichtig ist für den Prozess, oder das Arbeitsergebnis, dann solltest du das auch aufschreiben.

Auch in Großgruppen kann das für deine Übersicht sehr wichtig sein. In allen anderen Fällen: Lass es weg.

Sofern du ein Flipchart brauchst, auf dem du genau festhältst, wer mit wem arbeitet, gestalte es extra.

Sandra Dirks - Menschen auf der Mauer - Kleingruppeneinteilung -Flipcharts zeichnen mit Sandra Dirks

Bitte die Teilnehmer, sich auf diesem Flipchart einzutragen, oder erledige du das. Dann hast du alles, was du brauchst. Eine Idee, wie ein solches Flipchart aussehen soll, das findest du hier im Blogbeitrag „Menschen auf der Mauer“.

Hier findest du den Link zum Blogbeitrag „Menschen auf der Mauer“.

Was kannst du stattdessen tun?

Sprich einfach mit den Teilnehmern.

Verrückt, oder?

Bitte sie, sich in 3er/4er/Xer-Gruppen zusammen zu finden. Sobald die Teilnehmer sich in der Gruppe gefunden haben, sollen sie sich gemeinsam als Gruppe einen Platz im Raum suchen, damit du einen Überblick erhältst, wer mit wem zusammen arbeitet, oder wer noch zu keiner Gruppe dazugehört. Punkt.

Wenn dieser 1. Schritt passiert ist, und die Teilnehmer dir wieder konzentriert lauschen, dann erst zeigst du dein vorbereitetes Flipchart mit der entsprechenden Arbeitsaufgabe, die von den Gruppen erledigt werden soll.

Du kannst dir auch einzelne Flipcharts oder Plakate vorbereiten, die du für jegliche Art von Gruppeneinteilung immer wieder präsentierst. Da bist du dann am Ende natürlich auch fein raus.

 

  1. Tipp: Ich klaue beim Projektmanagement

Ich habe wirklich NULL Ahnung von Projektmanagement, aber eine Sache habe ich mir gemerkt:

Wie ich die wichtigsten Fragewörter dazu nutze, eine Tabelle zu erstellen, in der nachher die Namen derjenigen gesammelt werden, die etwas erledigen sollen.

Am Ende kommt dann dabei eine echt super geplante Grillparty dabei heraus. Cool!

Kennst du sicher auch:

Wer macht was? Bis wann?

Wenn du das als Suchbegriff bei Google eingibst, dann erhältst du sogar Ideen für so eine Vorlage. Aber das ist nicht das Thema dieses Beitrags.

Es geht um den Kern:

Wer macht was? Wie? Bis wann?

Ich habe noch das „Wie?“ ergänzt, weil die Teilnehmer oft eine Aufgabe auf eine bestimmte Art und Weise erledigen sollen.

Wer macht was? – 1. Satz

Das sind dann wohl die Teilnehmer. Wenn die Aufgabe für alle gilt, dann sprich die Teilnehmer auch direkt an:

„Schreibt/Schreiben Sie bitte…“

„Diskutiert/Diskutieren Sie bitte…“

„Erarbeitet/Erarbeiten Sie bitte…“

Etc.

Kurz, kurz, kurz!

Wie? – 2. Satz

Das steht für das „Wie?“ in der Ausführung. Das hängt meistens davon ab, wie die Arbeitsergebnisse präsentiert werden sollen:

„Notiert eure Ergebnisse auf einem Flipchart/ Moderationskarten/ Arbeitsblättern/ in der Seminarunterlage/ auf Bananenschalen/ auf dem Handrücken/ in Dings…“

„Erarbeitet eine Pantomime.“

„Dichtet einen Rap.“

„Erstellt Filmszenen/ einen Sketch.“

Achtung! Verwende Abkürzungen nur, wenn sie in der Gruppe bekannt sind.
Stelle sicher, dass alle diese Abkürzungen kennen.

 

Bis wann? – 3. Satz

Ganz wichtig ist hier die Zeitangabe für das Bearbeiten der Aufgabe. Sicher weißt du auch, wie schnell du bei so einer Aufgabe ans Limit deiner zeitlichen Planung kommst. Darum darf diese Angabe auf gar keinen Fall fehlen. Hierbei kannst du natürlich enorm Platz sparen, indem du diese Angabe mit kleinen Bildern unterstützt.

Erstelle dir eine Flipchartvorlage

Ich weiß, dass du dich vielleicht nicht in ein starres Visualisierungskorsett einschließen lassen möchtest, aber manchmal ist es gut, wenn Dinge stetig sind, oder einfach gut zusammen passen.

Wer macht was? Wie? Bis wann?
Teile dir ein Flipchartblatt genau so auf.

Plane die Überschrift, die auch unten drunter, oder an der Seite stehen kann. Achte darauf, dass sie möglichst kurz ist.

Joa, ist ein bisschen schief. Aber es ist ja auch nur die uuuungefähre Vorlage. Dafür reicht es doch, oder?

Benutze deine Vorlage immer wieder. Das geht z.B., indem du dir eine Vorlage erstellst, die du immer wieder unter dein Flipchart drunter schiebst, damit du ein Gefühl für den Platz bekommst. Irgendwann kannst du dieses ‚Linienblatt‘ dann einfach weglassen.

So könnte ich mir das dann vorstellen. Hier könnte ich Platz sparen, wenn ich die Überschrift weniger verschwenderisch gestalten würde:

Sandra Dirks - 5 Tipps für kürzere Texte auf dem Flipchart

Gut, thematisch ist das jetzt nicht sehr alltäglich, fällt aber in die Prüfungsvorbereitung.

Sandra Dirks - 5 Tipps für kürzere Texte auf dem Flipchart

Hier könnte man sogar noch ein wenig Weißraum lassen, aber ich hatte einfach Lust auf ein paar dicke Buchstaben, und die beiden Rapper unten auf dem Blatt. Passiert. 😉

 

  1. Tipp: Mach dir einen ersten Entwurf deiner Texte fürs Flipchart auf einem DIN A4-Blatt/ DIN A5-Blatt

Bevor du die Aufgabe auf das Flipchart bringst, mach dir einen Entwurf auf DIN A4/A5 – Papier. Das mag für dich vielleicht klar sein, aber für jemanden anders ist es vielleicht gerade eine Offenbarung, denn manchmal fallen einem gerade die einfachsten Dinge nicht ein.

Für solche Entwürfe habe ich mir mal ursprünglich ein Flipchartblatt entworfen, auf ein DIN A5 Papier drucken lassen. Vielleicht hast du das schon mal gesehen?

Sandra Dirks - 5 Tipps für kürzere Texte auf dem Flipchart

Das gebe ich auch schon mal als Visitenkarte aus, nachdem ich mit potentiellen Kunden darauf herumgescribbelt habe.

Das wird zwar recht klein, ist aber praktisch beim Transport. Es ist auch ein bisschen Spielerei, weil du natürlich auch auf einem ganz normalen Blatt deinen Entwurf vorbereiten kannst.

Für mich selbst sieht das oft gar nicht perfekt, ja sogar echt hässlich, aus.

Sandra Dirks - 5 Tipps für kürzere Texte auf dem Flipchart

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut mir das generell hilft, wenn ich die Flipcharts für eine Veranstaltung plane.

Ja, ich plane meine Flipcharts im Voraus. Auch, wenn ich sie vielleicht am Ende live im Training erstelle, so habe ich mir doch schon vorher Gedanken über den Aufbau der einzelnen Charts gemacht. Ich habe sie auch schon in Notizbücher gescribbelt. Hauptsache, ich habe eine Idee, wenn ich sie später im Training benötige.

Pssst! Das gibt dir übrigens auch Sicherheit, und das sieht man deinen Flipcharts auch später an.

Am Ende der Veranstaltung fotografierst du dann deine gut gelungenen Flipcharts ab, so dass du beim nächsten Mal auf diese Ideen zurückgreifen kannst. Lege dir dazu auf deinem PC/ Tablet oder Smartphone einen Ordner an, oder integriere die Fotos in deinen Ablaufplan. Dann hast du ganz sicher alles beisammen.

 

  1. Tipp: Manchmal ist gar kein Flipchart ein gutes Flipchart?

Es gibt Themen, die werden wirklich nicht auf deinem Flipchart Platz finden. Bevor du jetzt laut ausrufst, dass das für dich und deine Flipcharts IMMER gilt, bitte ich dich wirklich, unbedingt die anderen Möglichkeiten (s. oben) einfach mal durchzuchecken. Du wirst doch nicht emotional an einem vollgeschriebenen Flipchart hängen, oder?

Wenn du so gerne viele Texte schreibst, dann schreib doch einfach ein Buch, oder einen Blog. 😉

Vielleicht hast du Kollegen, mit denen du das mal prüfen kannst. Frag doch einfach, was du weglassen könntest.

Wenn deine Arbeitsanweisung den zugedachten Platz übersteigt, dann integriere doch einfach dein Arbeitsblatt ins Flipchart, indem du es einfach aufklebst, oder anpinnst.

So kannst du die umfangreiche Aufgabe, vielleicht auch noch mit ergänzenden Texten einfach ans Flipchart hängen, den Teilnehmern aber die grundsätzliche Vorgehensweise, also den Auftrag neben dem Auftrag, übersichtlich mitteilen.

Sandra Dirks - Menschen auf der Mauer - Kleingruppeneinteilung -Flipcharts zeichnen mit Sandra Dirks

 

Wenn deine Aufgabe aus mehreren Teilaufgaben besteht, die unbedingt in ungekürzter Weise aufs Papier gebracht werden müssen, dann nimm einfach KEIN Flipchart.

Ja, du hast richtig gelesen.

Wenn du z.B. mit deinen Teilnehmern einen bestimmten Prozess bearbeiten möchtest, dann schreibe die einzelnen Arbeitsschritte auf DIN A3/A4 – Blätter, und verteile die Blätter als Lernpfad in der richtigen Reihenfolge im Raum.

Du legst dabei nicht alle Blätter auf einmal aus, sondern du ergänzt dabei diesen Pfad Schritt für Schritt. Ich kenne einige Methoden, bei denen ich so vorgehen würde. Das bringt ein wenig Bewegung in den Raum, und es ist eine Alternative gegen zu viel Text auf einem Flipchart.

 

Ich hoffe, dass hier der eine oder andere Tipp für deine Veranstaltung dabei war.

Wie kürzt du deine Texte fürs Flipchart ?

Gruß von Sandra Dirks

 

 

 

 

 

 

P.S. Du möchtest mehr über Flipcharts lernen? Dann schau doch mal hier: *KLICK*

 

 

Sandra Dirks

Hallo, ich bin Sandra!
Ich blogge über Flipcharts und Methoden, um zauberhaften Menschen dabei zu helfen, Ideen zu finden, für quirlige, überraschende und unvergessliche Events.

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