5 gute Gründe eine Webcam im Webinar einzusetzen

Trainingstipps
iphone als Webcam

Wer in meine Webinare kommt, der muss mich anschauen. Manchmal sogar ganz groß auf dem Whiteboard, wenn ich irgendwas vorführe.

Auch als Teilnehmerin möchte ich die Leute sehen, die mir in einem Webinar Wissen vermitteln wollen. Vielleicht ist mir das Thema „Kamera im Webinar“ auch nur deshalb wichtig, weil ich im Grunde meines Herzens am liebsten unbedingt ins Fernsehen möchte, um einfach nur ganz nebenbei reich und berühmt zu sein.
Nein, kein Engagement im Dschungelcamp, ich kann doch mit Natur nix anfangen!

Da ich in diesem Punkt immer wieder lese, dass „Experten“ vom Kameraeinsatz im Webinar abraten, folgen hier meine fünf guten Gründe PRO Kameraeinsatz. Ich möchte noch ergänzen, dass es für mich mittlerweile keinen Unterschied mehr macht, ob ich im Seminarraum stehe, oder im Webinarraum agiere.

1. GLAUBHAFTIGKEIT – Die Kamera steigert das Interesse der Teilnehmer über die Präsenz des Trainers

Mittlerweile kenne ich mich und mein Lernverhalten ganz gut und ich weiß, dass es mir sehr wichtig ist, die Gestik (im Webinar zumindest zum Teil) und die Mimik der Personen zu sehen und zu erleben, die mir etwas vermitteln möchten. Ich finde das einfach glaubhafter und baue Vertrauen auf, dass die Zeit, die ich hier im Webinar bin, keine verlorene Zeit ist. Ertappt, ich finde auch Make up und Klamotten wichtig, aber psst, sowas darfste als Trainer ja immer nicht sagen. Aber da draußen im echten Leben, da schauen wir doch auch schwerpunktmäßig die Person an, die den Vortrag hält und nebenbei auf die Präsentationsfläche. Das muss wirklich auch im Webinar drin sein.

2. MENSCH vs. MASCHINE – Bringt Menschlichkeit in den Webinarraum

Nein, ich möchte auch nicht nur auf deren Präsentation glotzen. Die Trainer sollen mir schon lebhaft vermitteln, was ich wissen möchte und was ich damit machen kann. Wenn die Präsentation gut ist, dann besteht sie in der Hauptsache aus Bildern und da mein Bildschirm nicht so riesig ist, habe ich mit beiden Augen alles gut im Blick, ohne ein Chamäleon zu sein. Wie praktisch. Ich sehe also den Trainer im Kamerabild performen und die Präsentation daneben oder drunter. Wie schön, denn da passiert ja was auf dem Bildschirm. Von mir aus kann das Kamerabild auch etwas größer sein, als die Briefmarke in der Ecke. ‚Performen‘ kennen wir aus Casting Shows und da hat das immer was mit Darbieten und Bewegen zu tun. Also los! Was du ganz konkret technisch und räumlich für den Kameraeinsatz bedenken musst, das ist Stoff für mindestens einen weiteren Blogbeitrag.

3. AKTIVITÄT – Macht den Webinarraum zu einem aktiven Arbeitsraum

Außerdem möchte ich alle paar Minuten animiert werden, etwas zu tun. Egal was, sonst bin ich wieder bei meinen Mails und meinem Facebookstatuts oder auf Twitter, denn kein Thema, sei es mir noch so wichtig, hält mich davon ab das zu tun, wenn mich die Darbietung nicht überzeugt. Für mich ist Lernen = Unterhaltung! Immer!
Der Trainer gestikuliert in die Richtung, in der ich aktiv werden soll: „Schreiben Sie hier jetzt in den Chat/auf das Whiteboard.“
Dieses Mikromuster mit Aufforderungscharakter funktioniert nicht nur im echten Leben, sondern auch im Webinarraum. So weiß auch der technikferne Teilnehmer, wo er jetzt was tun soll.

4. PRÄSENZ/PROMINENZ – Beweisen, dass der Webinartrainer eine Persönlichkeit ist.

Ich sagte ja, dass es schwer ist, meine ungeteilte Aufmerksamkeit im Webinarraum zu halten. Es sei denn, DU faszinierst mich und hältst mich durch deine Art und Weise bei der Stange. Dazu gehört, dass ich dich sehe. Wenn ich dich nämlich total sympathisch finde, dann habe ich ein echt schlechtes Gewissen, mich einfach woanders aufzuhalten. Auch dazu muss ich sehen, dass du mich anlächelst, und nicht so verkrampft in die Kamera schaust.
Dann bleibe ich, weil ich mich beobachtet fühle und weil du eben nett bist. So gestatte ich dir auch, einfach mal 10 Minuten zu reden, ohne mir zwischendurch eine Aufgabe zu stellen.

Wenn es wirklich nur das Thema ist, das mich reizt, dann werde ich mir hinterher die Präsentation oder deine ausführliche Doku anschauen. Aber warum sollte ich die Zeit in dein Webinar investieren, wenn du mir nur aus dem Hintergrund vorliest?

Damit hätte ich hoffentlich das für mich unhaltbare Argument von Trainerkollegen ausgeräumt, dass mich böse Schimpfwörter rufend aus der Haut fahren lässt, wenn ich wieder alleine zu Hause bin:

„Wenn ich die Kamera einschalte, dann lenkt das von meiner Präsentation ab.“

Hallo? Aufgewacht! Warum sind denn die Teilnehmer da? Die sind da, weil eben genau DU dieses Webinar gestaltest. Die Teilnehmer, oder zukünftige Firmenkunden haben etwas über dich gelesen. Jetzt möchten sie dich erleben. Da ist ein offenes Webinar, zu einem kleinen Preis, ohne Reiseaufwand doch wirklich eine gute Alternative zum offenen Präsenztraining, das wesentlich mehr Aufwand bedeutet. Allein organisatorisch. Womöglich muss man da noch in den Schnee raus. Igitt, oder es regnet.

5. KOMPETENZ – Macht dich zum perfekten Ansprechpartner für das Thema

<- Ich könnte sagen ‚Experte‘, aber da ich das Wort immer ironisch oder negativ nutze passt das hier nicht. 😉

Wenn die Teilnehmer nur dabei sind, weil sie am Thema interessiert sind, dann solltest du die Chance nutzen und dich bei den Teilnehmern mit diesem Thema festsetzen.
Dazu sollte sich der Teilnehmer dein Gesicht merken, damit er mehr über dich erfahren möchte, auf der Webseite und sonstwo im Internet. Selbst, wenn du ein perfektes Profilbild während der Präsentation zeigst, dann ist das nicht vergleichbar. Live rules!

Wir sind doch Trainer, wir sind nicht irgendein Präsentationsmedium, das charmant eine Präsentation vorlesen kann. Wir sind mehr. Damit unterscheiden wir uns einfach von den Leuten, die nicht über das pädagogische Trainerwissen verfügen. Nutzen wir diese Vorteile. Zeigen wir es Ihnen. Dann verbessert sich auch der Ruf des Gesamtthemas Webinar.

iphone als Webcam
Spezialaufbau für eine Veranstaltung, während der ich zwei Kameras hin- und her geschaltet habe. Diese Kamera setzt die kleine Bühne ins Licht.

Noch was! –>

Ach ja, ein Argument wird auch immer gerne ins Feld geführt: „Aber Teilnehmer mit einer schlechten Internetverbindung haben dann ein Problem!“

Blablabla. Ja, das mag wohl so sein. Dann ist das so. Dann haben die das Problem und Pech gehabt. Ich schreibe das jetzt auch in die neuen Ausschreibungen, die ich gerade formuliere, direkt hinein: „Teilnahme nur mit Headset!“ und „Achtung!!! Ich verwende eine Kamera. Du benötigst eine gute Internetverbindung. Führe vor der Anmeldung den Technikcheck des Webinaranbieters durch!“
Ich bin jetzt seit über 10 Jahren an diesem Thema dran. Nie waren die technischen Möglichkeiten so gut wie heute. Nutzen wir sie! Wer das jetzt mit „Ja, aber…“ kommentiert, dem antworte ich mit „Heulsuse!“.
Ich habe oft Kunden, die sagen: „Tagsüber kann ich nicht, bei meinem Arbeitgeber ist das Netz so schlecht. Gibt es einen Abendtermin?“ – Den gibt es dann. Du siehst, es findet sich immer eine Möglichkeit, wenn man das wirklich möchte.
Seitdem ich das entspannter sehe, ist das Gejammer über die schlechte Verbindung auch weniger geworden oder oft gar nicht vorhanden. Jeder kann die Teilnehmer bekommen, die er sich wünscht.

Manchmal werde ich als Trainerin für Unternehmen eingekauft, die Webinare ohne Kamera durchführen. Die haben mich eingekauft, weil ich vorher überzeugend war. Für mich ist das immer ungewohnt, ohne Kamera und mir fehlt etwas. Ich gestikuliere wild und niemand sieht es und ich muss mir für diese Fälle dann eine andere Sprache angewöhnen. Das ist gar nicht leicht, denn man muss vieles anders anleiten.
Doch das gehört in den Vorbereitungsteil, für den ich am Ende auch eine Rechnung stelle.
Wenn ich es dann wieder selber bestimmen kann, dann blühe ich auf.

Also: „Licht an, Kamera läuft, Ton uuuuund Action!“
Ergänzung:
Dieser Text läuft auch im Rahmen der Blogparade „Plädoyer für Webinare“.

Judith Torma Gonçalves hat auf ihrer Seite die „Blogparade als Plädoyer für Webinare“ gestartet, um die Erfahrungen und Ideen von Praktikern zum Thema aufzugreifen und das Thema aufzuwerten. Schauen Sie sich dort einmal um, es gibt viele interessante und unterschiedliche Statements zu entdecken.

Gruß von Sandra Dirks

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Sandra Dirks

Hallo, ich bin Sandra!
Ich blogge über Flipcharts und Methoden, um zauberhaften Menschen dabei zu helfen, Ideen zu finden, für quirlige, überraschende und unvergessliche Events.

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frank katzer
Gast

sehe ich ganz genauso. auch bei video-tutorials usw. finde ich es absolut wichtig um etwas mehr vom vortragenden zu erfahren und so eine verbindung aufzubauen.
nach wie vor verstecken sich viel zu viele hinter ihren powerpoint-folien…

Natalie Schnack
Gast

Liebe Sandra,

JA! Bitte! Ich selbst gebe bisher keine Webinare, weil die, die ich besucht habe, alle ohne Kamera gearbeitet haben – das törnt mich so dermaßen ab …
Dein Beitrag kommt zu genau richtigem Zeitpunkt, weil ich gerade überlege, wird ich es anders machen kann, wenn ich mich entscheide selbst Webinare anzubieten.

Danke für diese Bestätigung!

Herzliche Grüße
Natalie

Zamyat M. Klein
Gast
Ja, liebe Sandra, du weißt ja, dass ich zu denen gehöre, die dir widersprechen :-). Einige Argumente verstehe ich durchaus, aber es gibt nach wie vor Argumente und Gründe, die dagegen sprechen. Und so absolut, wie du das hier darstellst, da MUSS ich einfach widersprechen. Ich gebe weder langweilige Webinare noch lese ich einfach von der Folie ab! Ich kenne ja viele deiner Zeichen-Videos und finde Sie großartig. Du bist ein Mensch, der sich gut vor einer Kamera präsentieren kann, der dort witzig und locker rüberkommt! Der man anmerkt, dass sie Spaß dabei hat. Von daher- wunderbar!! 1. Vorträge Ich… Read more »
Judith Torma
Gast
Welche wunderbares Plädoyer für Webinar – liebe Sandra gute Gründe die Technik der Webinare voll auszuschöpfen. Meine Bandbreite macht mir oft einen Strich durch die Rechnung die ganze Zeit online zu sein. Ich begrüße meine Teilnehmer jedoch immer mit Kamera und Ton und verabschiede sie auch so. In zwei meiner Webinare setze ich die Kamera ganz bewusst ein, nur so macht es für die Teilnehmenden Sinn – bei meinem Gesten- und Vorstellungswebinar. Wie oft ich da jedoch höre – oh mein Mikro geht grad nicht oder ich habe keine Kamera, obwohl mir das System anzeigt, dass eine Kamera vorhanden. Ich… Read more »
Kristine Kupferschmidt
Gast
Danke für dieses Plädoyer! Ich gebe auch Webinare und habe am Anfang immer die Webcam ausgestellt, wenn ich nach der Begrüßung mit dem Haupteil begonnen habe. Zum Abschluss des Vortrags habe ich sie wieder eingeschaltet, um Fragen zu beantworten. Die Rückmeldung meiner Teilnehmer war ganz klar. „Schade, Frau Kupferschmidt – Sie machen das so lebendig, das hätte ich gern gesehen.“ Okay, seitdem bleibt die Webcam an und es ist viel angenehmer für mich, weil ich nicht in einen leeren Raum sprechen muss. Außerdem sind meine Teilnehmer jetzt mehr bei der Sache, machen aktiver mit als ohne Kamera. Sie fühlen sich… Read more »
Ulrike Bergmann
Gast

Liebe Sandra Dircks,

vielen Dank für dieses Plädoyer, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Vor allem dieser Satz stach mir ins Auge: „Sie benötigen eine gute Internetverbindung.“ Das gilt halt auch für den/die Präsentatorin 😉
Damit scheidet der Einsatz einer Kamera für mich bei Webinaren leider aus. Jeder Test hat bislang ergeben, dass die „Power“ bei uns auf dem Land nicht so stark ist, dass ein immer wieder ruckelndes Bild vermieden wird. Zumindest bei der Moderatorin nervt schnell (zumindest mich).
Ansonsten stimme ich den Argumenten zu.

Herzliche Grüße
Ulrike Bergmann

Judith Torma
Gast

Gerade hat sich eine Teilnehmerin gewünscht per Mirko und Video dazu geschalten zu werden – weil Ihr das Reden und Sprechen mit der Dozentin fehlt!
Juhu wir sind auf dem richtigen Weg.

Clemens Kappes
Gast
Hallo, Frau Dirks, endlich einmal ein Beitrag, der mir als Beraterkollegen aus der Seele spricht. Schließlich wollen wir doch im Zeitalter der Technik nicht zum Frontalunterricht zurück, gell? Ich beschäftige mich neu mit dem Thema Online-Seminare, habe aber in meinen 18 Jahren Berufspraxis eine Menge Material angesammelt. Vielleicht können Sie mir bei ein paar Fragen weiterhelfen oder sagen, wo ich das Erfragte finden kann. Da ist einmal das Problem der Plattform: Hier gibt es zwar Anbieter wie Edudip, die eine Einbindung in die Website anbieten, aber ich habe etwas Ressentiments gegenüber einer Seite, die (a) viele esoterische Themen enthält und… Read more »
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