3 Tipps, die dir helfen, Visualisierungen für dein Fachthema zu finden

Visualisierungstipps
Themen für Visualisierungen vereinfachen

Themen für Visualisierungen vereinfachen 4

In Visualisierungstrainings gibt es viele, viele Inspirationen. Am Anfang eines solchen Trainings ist die Stimmung immer noch etwas verhalten.

Alle beteuern traditionell, dass sie garantiert nicht zeichnen könnten. Um dann nach ein paar Techniken, oder bereits kurz vor der Kaffeepause fröhlich und glücklich zu verkünden, dass sie es jetzt doch könnten. Genau das macht ein Visualisierungstraining so liebenswert. I love it. 🙂

Nach der Mittagspause wird es dann schon mutiger.

„Kannst du mir bitte mal ein Klo/ einen Frosch/ einen Hund/ einen Fön… zeichnen?“

Ich versuche zu helfen, entschuldige mich für Gitarren ohne Loch, und Hunde ohne Beine, die aussehen wie Schneemänner. Das ist ja alles noch ganz fein. Dann fahren alle nach Hause, aber dort beginnt plötzlich der Alltag mit Fachbegriffen, die mehr oder weniger sperrig sind.

Wieder im häuslichen Büro kommt mancher zu der Erkenntnis, dass er vielleicht doch lieber bei den Worten bleibt, denn er kann partout keine bildliche Vokabel für Elementarschaden-Versicherung, Alterungsrückstellung, oder Beitragsbemessungsgrenze finden.

Man könnte sich jetzt betrinken, und die dadurch aufsteigenden Bilder einfangen und nutzen, man könnte jetzt einen professionellen Illustrator beauftragen, sich Bilder auszudenken. Dieser könnte sicher auch nüchtern gute Ergebnisse liefern, sofern man ihm erklärt, was es mit den einzelnen Begriffen auf sich hat. Aber auch der Illustrator würde eine andere Vorgehensweise vorschlagen, würde viele Fragen stellen, und nach Vereinfachungen fragen. Das kann für beide, den Auftraggeber, und den Illustrator sehr zermürbend sein. Schließlich hat der Auftraggeber sich das leichter vorgestellt.

Wir müssen unsere Sichtweise zu diesem Thema deshalb ein wenig korrigieren, sonst könnten wir den Spaß daran verlieren, bevor es richtig begonnen hat.

 

1. Visualisieren ist dolmetschen

Wir versuchen oft für einen Begriff ein Bild zu finden. Ich schließe mich da nicht aus, stand ich doch in einem Visualisierungstraining mal vor dem Trainer und bat um ein Bild für Humor. Wir haben uns den Kopf zermartert, wie ein solches Bild aussehen könnte. Das Ergebnis war nicht befriedigend, und ich habe bis heute kein Bild für Humor. Das macht nichts, denn ich brauche es gar nicht. Es war damals nur ein erster Impuls, der in die falsche Richtung ging.

Machen wir einen kleinen Exkurs, um den Vorschlag besser zu durchblicken:

Vor genau 10 Jahren habe ich eine Ausbildung zum Gruppendolmetscher für Französisch-Deutsch absolviert. Einer unserer Trainer beim Deutsch-Französischen Jugendwerk war Jean, der ehemalige Leiter der Dolmetscherschule in Mons, der schon viele Dolmetscher ausgebildet hat.

Jean gab uns daher die Worte des heiligen Hieronymus mit auf den Weg.

Über das Dolmetschen sagte einst Hieronymus (St. Jerome), der Schutzpatron der Dolmetscher:

  1. Man muss die Bedeutung einfangen.

  2. Man muss sie zurücktragen [nach Hause bringen] wie eine Beute.

  3. Und sie so äußern, dass sie (die Beute) von den seinen verstanden wird.

 

Im Grunde gilt das auch für die Wissensvermittlung.

Du erfährst etwas, nimmst es auf, verarbeitest es, und gibst es dann in den Worten weiter, die diejenigen, die es verstehen müssen, verstehen. Ohne den Sinn zu verfälschen.

Das macht den Job nicht einfacher, aber es gibt dir eine enorme Leichtigkeit.

Damit kommen wir wieder zur Zielgruppe:

Würde es deine Zielgruppe verstehen, wenn du einen Sachverhalt nur mit Fachbegriffen erklärst, und dabei die Bilder der Fachbegriffe nur aneinander reihst?

Stell dir die Frage:

Welches Vorwissen haben meine Zuhörer?
Geh davon aus, dass deine Zuhörer nicht über dein Wissen verfügen. Mach es einfach. Orientiere dich nicht an jemandem, der schon alles weiß. Orientiere dich an denen, die zu dir kommen, um etwas zu lernen.

Wenn du dich auf diese Weise in das Thema hineindenkst, dann werden die Begriffe, die dir helfen sollen, dein Thema zu erklären, schon einfacher.

Merke: Du bist nicht der geilste Trainer unter Sonne, wenn du besonders viele Fachwörter benutzt! Etwas einfach zu machen heißt auch, dass du in die Lebenswelt deiner Teilnehmer eintauchst. Wenn ich Auszubildenden etwas erkläre, dann verwende ich Beispiele, die ihnen besonders nah sind. Beispiele, mit denen sie sich identifizieren können. Diese Beispiele visualisiere ich, hier braucht es oft einfache Begriffe des täglichen Lebens. Die findest du überall, auch in vielen Visualisierungsbüchern, oder jeweils am #FlipchartFriday hier im Blog.
Die Fachbegriffe schreibe ich dazu, das ist wichtig, um sie ins Gedächtnis zu bekommen.

Ich zeige dir dazu hier noch einmal das Bild der Lagerkennzahlen, das ich neulich genutzt habe, und das sehr verständlich war.

Lagerkennzahlen vermitteln 3

Am Beispiel der drei jungen Damen erklärt, die zukünftig ein Handtaschengeschäft führen.

Lagerkennzahlen vermitteln

 

2. Mach es einfach, einfach, einfach

Wenn es immer noch schwierig ist, deine Begriffe herunter zu brechen, dann muss die Sendung mit der Maus her. Das ist DAS Erklärungsformat für groß und klein.

Was haben wir nicht alles verstanden, nur weil es in der Sendung mit der Maus erklärt wurde?

Ich wüsste heute immer noch nicht, wie ein Navi funktioniert. Aber der Film „Die Maus erklärt das Internet“, der ist ja wohl immer noch großes Kino, auch wenn längst niemand mehr mit einem Modem ins Internet geht.
Sicher hat jeder seinen eigenen Lieblingsfilm, mit dem er ein Stückchen unserer Welt verstanden hat.

Was ist das Geheimnis?

Ich habe damals versucht, es herauszufinden. Bei uns in der Nähe in Wolfenbüttel gab es immer das Seminar „Prinzip Maus“. In diesem Seminar erklärt der Christoph Biemann das Mausprinzip. Leider erklärt er es nicht nur, man muss es sich schwer erarbeiten an diesem Wochenende. Es geht darum, möglichst einfache Fragen zu stellen, um dann anhand dieser Fragen die Lerninhalte aufzubereiten. Ich kann dir sagen: Es ist die Hölle! Dieses Seminar ist so anstrengend. Bei jeder Frage, die du schon ganz einfach geglaubt hast, bekommst du vom Christoph die Antwort, dass es noch einfacher geht. Gut, manchmal auch mit einem schelmischen Grinsen.

By the way: Das Seminar „Prinzip Maus“  findet immer nur alle zwei Jahre statt.
In diesem Jahr ist es wieder soweit. Hier findest du mehr Info dazu: *KLICK*

Man hat im ersten Moment das Gefühl, dass man nicht viel gelernt hat. Oh, aber weit gefehlt. Die folgenden Wochen waren die Hölle für meine Kollegen.

Wir waren dabei konzeptionell zu arbeiten. Haben Trainerleitfäden überarbeitet, und ich, die blöde Kuh, warf ständig ein, dass das doch noch einfacher sein müsse. Sie haben mich erst dafür gehasst. Dann wurde es besser, und ich war froh, dass ich das Mausprinzip doch verstanden hatte.

Aber ich muss mich immer wieder intensiv daran erinnern. Mich immer wieder dazu wachrütteln. Je mehr man das trainiert, desto verständlicher kann man Themen rüberbringen.

Je verständlicher das Thema wird, desto einfacher werden auch die Bilder, die du zum Visualisieren brauchst.

Ich bewundere Menschen, die das scheinbar immer aus dem Ärmel schütteln. Grundsätzlich ist das Schwerstarbeit. Wahrscheinlich braucht man einfach viel Geduld und ein dickes Fell, um das immer wieder durchzusetzen. In der Hektik des Alltags verschwindet das leider oft.

Merke: Denke immer daran, dass du von den Menschen verstanden werden möchtest, die nichts von deinem Thema verstehen!
Vergiss diese Sperre im Kopf, dass du es mit Erwachsenen zu tun hast, die für Kindereien nichts übrig haben. Ich bitte dich ja nicht in Babysprache zu quieken, oder halbe Sätze mit komischen Wörtern zu sprechen. Ich bitte dich nur dein Thema zu vereinfachen.
Wie würdest du dein Thema deinem 8jährigen Neffen erklären? Noch wichtiger davor: Welche Fragen würde dir dein 8jähriger Neffe zu diesem Thema stellen? Nachdem du diese Fragen ausgearbeitet hast, brauchst du ganz sicher keine Zeichnungen mehr, die deinen komplexen Fachbegriff zeigen.
Cool wäre, wenn du echte Fragen deines 8jährigen Neffen hättest. Probiere es doch mal aus.

 

3. Nutze Vergleiche – Das ist wie…

 

Vergleiche können sowohl Wissen vermitteln, als auch unterhaltsam sein. Im Humorkochbuch habe ich darüber auch schon geschrieben:

Die Vergleiche lassen sich auch verwenden, um Fachwissen zu
transportieren. Vielleicht haben Sie das schon mal gehört, wenn es
darum geht, Größen einzuordnen. „Die Queen Mary II ist so lang,
wie drei Fußballfelder.“ Das ist eine Aussage, die uns mehr sagt, als
die Angabe, dass die Länge des Schiffes etwa 345 Meter beträgt.
Wenn man es ganz genau wissen wollte, dann müsste man jetzt
wissen, wie lang ein Fußballfeld exakt ist. Doch das wissen sicher
die wenigsten. Interessant ist, dass alle, auch die Nicht-Fußballfans,
die Dimensionen eines Fußballfeldes gut einschätzen können
und deshalb auch schnell eine Idee haben, wie groß das in etwa ist.
„Ui, ganz schön riesig.“, ist hier eher die Antwort, als „Ach, sag’
doch mal eben schnell, wie lang ein Fußballfeld ist.“

Übrigens: Die FIFA hat 2002 verfügt, dass ein Fußballfeld, auf dem
internationale Turniere abgehalten werden, eine Länge von 105 m
und eine Breite von 68 m haben muss.
Das ist nett zu wissen, aber noch nicht lustig.
Als ich Auszubildende in der Parfümerie war, begann man gerade
die „freien Radikale“ als Feinde der Haut zu entdecken und zu
bekämpfen. Niemand will altern, aber die freien Radikale machen
genau das, sie lassen unsere Haut altern. Es gab viele Erklärungsmodelle
und Darstellungen dazu, damit wir als Fachverkäuferinnen
auch wirklich wussten, was die jeweilige Creme auf der Haut bewirken
würde.

Eine erfahrene Kollegin, die uns zu dieser Zeit mit anschaulichen
Vergleichen aus dem praktischen Leben überraschte, war auch hier
wieder mit einem lebendigen Beispiel dabei:
„Stell’ Dir mal einen vollen Ballsaal vor. Auf der Tanzfläche sind nur
Paare, die sich harmonisch zu Schmusepop bewegen. Dann schwingen
die großen Doppeltüren auf, begleitet von einem heftigen Windstoß,
und es betritt eine Bombenfrau den Saal. Super sexy rotes Kleid, sensationelle
Figur, Riesenmähne, Riesen-Dekolleté, gigantischer Augenaufschlag.
Jetzt lösen sich einige der doch vorher scheinbar festen
Verbindungen. Einige Männer starren sie an und wollen sofort mit
ihr tanzen (erstmal!). Sie versuchen sich langsam aus der Verbindung
mit ihrer aktuellen Tanzpartnerin zu lösen. Die anderen Frauen
im Saal reagieren zickig, es entsteht Unruhe. Hier und da entstehen
zwar neue Paare, aber die Harmonie ist dahin. Es sind immer noch
viele Tänzer und Tänzerinnen ohne Partner… Die Unruhe bleibt. So
ist es auch auf der Haut. Hautschädigende Bakterien, … Fremdkörper
haben jetzt ein leichtes Spiel.“
Ich habe sehr gelacht, weil die Kollegin es außerdem verstand, diese
Geschichte besonders lebhaft darzustellen. Ich werde auch niemals
mehr vergessen, was ein freies Radikal ist.

 

Es muss hier nicht immer der große Witz sein. Es muss auch nicht zwingend lustig sein. Aber, wenn es lustig ist, dann hat es natürlich einen schönen Nebeneffekt.

Hier ist nochmal ein Beispiel für den Chemieunterricht

Fußball ist zur Zeit wieder einmal allgegenwärtig. Hast du schon mal versucht, dein Thema auf ein Fußballspiel zu übertragen?

Ich habe hier ein Beispiel aus meiner Themenwelt. Ich wurde gebeten, in einer sehr kurzen Arbeitseinheit das Thema eLearning zu umreißen. Da muss man auch ganz schön reduzieren. Außerdem muss man schon überlegen, welche Begriffe müssen unbedingt drin sein. Der Auftraggeber wollte schon, dass Webinare, Onlineseminare, Lernplattform und der Begriff ‚Blended Learning‘ irgendwie eine Rolle spielen.

Für mich und das gewünschte Thema liegt die Struktur hier in der Unterscheidung von synchronem und asynchronem Lernen. Da liegt für mich der Vergleich schon auf der Hand. Ich kann das Thema sehr hübsch am Synchronschwimmen festmachen. Auf dieses Beispiel habe ich mich jetzt schon eine ganze Weile fokussiert. Außerdem kann ich das mit meiner elfengleichen und zarten Gestik im Seminarraum noch anschaulich unterstützen. Nach einer kurzen Einleitung dazu kann ich diese Bildwelt auch wieder verlassen.

Themen für Visualisierungen vereinfachen

Themen für Visualisierungen vereinfachen 2

Die synchronen Damen sehe ich elegant vor mir.

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Asynchron ist eben asynchron. 😉

Aber es gibt andere Vergleiche und Bilderwelten, die mehr her geben. Denk nur mal an Märchen. Versuch doch mal dein Thema in ein Märchen hinein zu bekommen. Da steckt viel Arbeit drin, aber die Teilnehmer werden es dir danken.

Nun, ich hoffe, dass du nicht enttäuscht bist und mehr konkrete Visualisierungsideen hier erwartet hast. Aber mir ist in diesem Artikel nur wichtig, dass du dir bewusst machst, wie wichtig es ist, dass du es deinen Zuhörern einfach machst. Wenn du dein Thema vereinfacht hast, dann suchst du nach ganz anderen Wörtern, für die du Visualisierungen brauchst. Hast du vorher ein Bild für eine Beitragsbemessungsgrenze gesucht, suchst du jetzt vielleicht nach einer Idee, wie du die böse Hexe in Schneewittchen darstellen könntest. Oder vielleicht Hänsel und Gretel? Oder gar etwas ganz anderes?

Wie erschließt du dir und deinen Zuhörern komplexe Themen?

Signet_Deine

 

 

Sandra Dirks

Hallo, ich bin Sandra!
Ich blogge über Flipcharts und Methoden, um zauberhaften Menschen dabei zu helfen, Ideen zu finden, für quirlige, überraschende und unvergessliche Events.

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Julia James
Gast

Hm, liebe Sandra, zu der Aussage „Er hat uns gleich zu Beginn den Unterschied deutlich gemacht zwischen dem Beruf des Dolmetschers, und dem Beruf des Übersetzers. Der Übersetzer sucht nach der möglichst wortwörtlichen Übersetzung.“ muss ich Dir leider widersprechen. Es gibt einen Unterschied zwischen den beiden Berufen, ja: der Dolmetscher überträgt Gesagtes, der Übersetzer Schriftliches in eine andere Sprache. Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=ez9yeH6z3zI
Aber dass der Übersetzer im Gegensatz zum Dolmetscher nach der möglichst wortwörtlichen Übersetzung sucht, ist einfach nicht richtig – und meine Kunden würden wohl schreiend weglaufen, wenn ich meinen Beruf als Übersetzerin so verstehen würde…
Viele Grüße,
Julia

Julia James
Gast

Noch ein kleiner Nachtrag: Hieronymus ist übrigens der Schutzpatron der Übersetzer – nach ihm ist heute auch der Internationale Übersetzertag benannt.
Viele Grüße,
Julia

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