Die Vorstellung im Workshop wirkt oft nebensächlich.
Kurz sagen, wer man ist, dann Agenda vorstellen, danach geht’s los.
Genau darin liegt das Problem. Dieser Moment ist weit mehr als ein formaler Start.
Er entscheidet darüber, ob Vertrauen entsteht, ob Menschen innerlich andocken und ob sie Lust haben, mit dir zu arbeiten.
In diesem Beitrag geht es nicht um den gesamten Einstieg eines Workshops.
Nicht um Check-ins, Vorstellungsrunden oder Agenda-Design.
Es geht um diesen einen Moment:
Deine Vorstellung als Trainer/in als Beziehungsangebot.
Der Einstieg im Workshop ist kein Informationsblock, er ist ein Beziehungsangebot
Wenn du dich als Trainerin im Workshop vorstellst, prüft die Gruppe in den ersten Minuten meist vollkommen unbewusst drei Dinge:
- Kann diese Person mir helfen?
- Fühle ich mich bei ihr sicher und gut aufgehoben?
- Habe ich Lust, ihr zuzuhören und mitzugehen?
Deshalb ist der Anfang eines Workshops kein Pflichtprogramm.
Er ist die Basis für alles, was danach kommt.
Egal, ob Präsenz-Workshop, Online-Training, Seminar, Retreat, Yoga-Kurs oder Meeting:
Dieser Moment entscheidet, ob Menschen innerlich „Ja“ sagen. Dabei geht es bis jetzt nicht um Inhalte, Agenda oder Organisatorisches. Es geht um dich als Person.
Perspektivwechsel: Was brauche ich selbst als Teilnehmerin?
Ich habe mir einmal die Frage gestellt:
Wenn ich selbst in einem Workshop sitze, was will ich eigentlich über die Person da vorne wissen?
Ganz ehrlich:
Oft habe ich die Person schon gegoogelt. Ich kenne den fachlichen Hintergrund. Ich habe mir auch schon ein Bild darüber gemacht, ob ich sie/ihn so, wie er/sie als Mensch rüberkommt, mag oder nicht. Im besten Fall mag ich die Person, sonst würde ich jedes Wort auf die Goldwaage legen, ständig das Haar in der Suppe suchen oder ich hätte die Person gar nicht gebucht.
Was ich wirklich brauche, ist etwas anderes:
- Habe ich das Gefühl, wir sind auf einer Wellenlänge?
- Kann ich dieser Person vertrauen?
- Wird das hier ein Raum, in dem ich mich wohlfühle?
Diese Perspektive als Teilnehmerin hilft enorm, die eigene Vorstellung bewusster zu gestalten.
Eine Geschichte sagt oft mehr als jede Erklärung
Ein Beispiel aus meiner Praxis:
Ich habe einmal abends einen Seminarraum für ein zweitägiges Training vorbereitet.
Tische gerückt, Material ausgelegt, Flipcharts geschrieben, gezeichnet, aufgehängt – ich war komplett im Tunnel.
Später habe ich mir ganz entspannt ein Alster in den Raum bestellt.
Als jemand vom Tagungsservice hereinkam, sich umsah und sagte:
„Wow, sieht das schön aus hier, da hat man ja gleich Lust, zu bleiben.“ Dann legte sie mir einen Zettel hin und sagte: „Ich hätte gern ein Autogramm von Ihnen.“
Für einen ganz kurzen Moment dachte ich wirklich:
Wie bitte? Ein Autogramm? Natürlich war es nur der Kassenzettel fürs Alster.
Aber genau dieser Moment, dieses komplette Im-Thema-Sein beschreibt detailliert die Haltung, mit der ich Workshops starte. Solche Geschichten erzähle ich auch in meiner Vorstellung.
Sie erklären nichts und erzählen trotzdem sehr viel:
über Vorbereitung, Präsenz, Humor und darüber, wie wichtig mir ein guter Raum für Menschen ist.
Je persönlicher, im richtigen Maß, deine Vorstellung ist, desto leichter fällt es der Gruppe, sich ebenfalls zu öffnen.
Vier Fragen, die deine Vorstellung klar und stimmig machen
Wenn du deine Vorstellung im Workshop vorbereiten möchtest, reichen im Grunde vier Fragen:
1. Was müssen die Teilnehmenden fachlich über mich wissen, um mir zu vertrauen?
Nicht dein vollständiger Lebenslauf.
Nicht jede Weiterbildung.
Sondern das, was für dieses Thema, diese Gruppe, dieses Setting relevant ist.
Vertrauen entsteht nicht durch die Menge an Qualifikationen,
sondern durch Passung.
Fragen können sein:
- Habe ich dieses Thema selbst erlebt oder durchlebt?
- Arbeite ich damit praktisch oder nur theoretisch?
- Bin ich intern oder extern – und was bedeutet das für meine Rolle?
2. Was sollen die Teilnehmenden menschlich über mich spüren?
Diese Frage hat nichts mit Privatem zu tun, sondern mit Haltung.
Mögliche Qualitäten oder Werte können sein:
- Humor
- Klarheit
- Ruhe
- Neugier
- Struktur
- Zugewandtheit
- Leichtigkeit
Wichtig ist nicht, alles zu zeigen.
Ein bis zwei bewusst gewählte Aspekte reichen völlig.
Entscheidend ist:
Das, was Menschen über dich spüren sollen, muss sich in dem widerspiegeln, was du erzählst und wie du es erzählst.
3. Welche kleine Geschichte passt zu diesem Thema?
Gute Geschichten findest du oft hier:
- Ankommen & Vorbereitung
- Übergänge (vom Alltag in den Workshop, vom Zweifel zur Klarheit)
- Mini-Missgeschicke oder Missverständnisse
Faustregel für Geschichten:
- kurz
- bildhaft
- anschlussfähig
Kein Heldinnenepos nötig.
Und wenn du unsicher bist:
Nimm die Geschichte, die dir gerade einfällt.
Meist ist das die richtige.
4. Wie sollen sich die Teilnehmenden am Ende fühlen?
Das ist der emotionale Zielpunkt. Mögliche Gefühle am Ende eines Workshops:
- sicher
- ermutigt
- sortiert
- gestärkt
- inspiriert
- handlungsfähig
- erleichtert
- stolz
Der Einstieg ist immer schon eine Vorschau auf dieses Gefühl.
Willst du, dass sich Menschen am Ende mutig fühlen, darfst du am Anfang auch Mut zeigen.
Willst du Leichtigkeit, darf der Einstieg nicht steif sein.
So verbinden sich Einstieg, Ziel und Wirkung.
Zum Schluss
Ein guter Einstieg ist kein Zufallsprodukt, er ist eine bewusste Entscheidung. Du zeigst dich mit Kompetenz, Haltung und einem kleinen echten Moment.
Wenn du magst, beobachte dich beim nächsten Workshop einmal selbst:
Was erzählst du über dich und was erzählst du damit zwischen den Zeilen?
Genau dort entsteht Wirkung.
👉 Du willst das für deinen eigenen Workshop klären?
Wenn du merkst, dass dich das Thema Einstieg und Vorstellung beschäftigt,
du aber unsicher bist, wie das für deinen konkreten Workshop aussieht,
dann ist ein 1:1 oft der schnellste Weg zur Klarheit.
In der gemeinsamen Arbeit schauen wir auf:
- dein Setting
- deine Rolle
- deine Haltung
- und darauf, was du wirklich zeigen möchtest – fachlich und menschlich.
👉 Hier findest du mein 1:1-Angebot:
https://sandra-dirks.de/1zu1/
Ich freue mich, wenn ich dich mit diesem Thema inspirieren konnte.

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Dort findest du jeden Freitag ein neues Video aus meiner Trainerinnen-Expertise:
https://www.youtube.com/@iamsandradirks