Ein Software Webinar

Klick statt Koma: 5 Mitmach-Methoden für Software-Trainings online

Online-Workshops zum Thema Software haben die Lizenz zum Langweilen. Kreative Online-Workshops für das Vermitteln von Apps oder Software findet man daher so häufig wie einen zuständigen Sachbearbeiter in einer Behörde oder einen Verkäufer im nächsten Baumarkt.

Einladungen zu Online-Workshops, in denen es um Software-Updates oder die Einführung neuer Software geht, werden fast nie mit Begeisterung empfangen. Die Gruppe der 20 Begeisterten von insgesamt 50 Teilnehmenden einer Fortbildungsrunde gliedert sich wie folgt:

Fünf Teilnehmende freuen sich, weil sie es wirklich spannend finden, ganz egal, wie es dargeboten wird.
Die Verzweiflung ist groß, so dass sich sieben Teilnehmende auch der schlimmsten PowerPoint-Folienvorlesung hingeben, weil sie wirklich dringend erfahren möchten, wie die Software anzuwenden ist, denn ihr Job hängt davon ab.
Vier freuen sich, weil sie endlich die Möglichkeit haben, alle ihre Fragen zu stellen, die sie seit Wochen mit sich herumschleppen.
Drei freuen sich, weil sie mehr wissen als der Trainer und sie so zwischendurch mit ihrem Wissen angeben können
Eine ist in den Trainer verliebt, ganz egal, wie das Webinar ablaufen wird.

Damit es dir in deinem nächsten Software-Online-Workshop als Trainer:in besser ergeht, solltest du unbedingt weiterlesen. In diesem Blogbeitrag liefere ich dir fünf Methodenideen, mit denen du deine Zuhörenden zu echten Teilnehmenden machst. Nein, ich sage dir nicht, wie du machst, dass sie sich in dich verlieben.

Tipps für die Vorbereitung deiner Software-Online-Workshops

Ich weiß, deine Expertise ist wirklich wahnsinnig groß und du bist sehr stolz darauf, und das kannst du auch sein. Es war ein steiniger Weg bis hierhin, und auch wenn nicht, dann möchtest du gerne zeigen, was du kannst. Warum machst du sonst diesen Job? Aus eigener bitterer Erfahrung weiß ich, dass einen die Begeisterung schon mal dazu bringen kann, über das Ziel hinauszuschießen. Du meinst es gar nicht böse, denn du liebst dein Thema und du möchtest andere ebenso dafür begeistern. Das ist wunderbar und du möchtest in der Zeit, die zur Verfügung steht, so viel Info wie möglich rüberbringen, damit die Sache später auch wirklich rund läuft. So redest du dich in deiner Begeisterung um Kopf und Kragen oder schlicht um dein Leben.

Das hilft deinen Teilnehmenden leider meistens gar nicht.

Wichtig ist, dass du vor dem Online-Workshop, bevor du überhaupt an kreative Methoden denkst, ganz klare Lernziele setzt:

Was sollen die Teilnehmenden am Ende können?
Wo stehen die Teilnehmenden jetzt? Wie technikaffin sind die Teilnehmenden?
Was möchten deine Auftraggebenden, dass deine Teilnehmenden am Ende können?
Was möchten/müssen deine Teilnehmenden können?

Die Antworten leiten dich beim Zusammenstellen deines Software-Online-Workshops. Hier ist weniger immer mehr. Gib deinen Teilnehmenden zwischendurch lieber mehr Zeit zum Reflektieren und Verarbeiten oder zum Ausprobieren. Das funktioniert viel besser, als ein zusätzliches Lernziel in das Programm mit hineinzuquetschen.

Ein Lernziel, für das du am Ende weniger Zeit hast, aber mehr benötigst. Gut wäre in dem Fall, wenn du einen zweiten Online-Workshop vorbereitest, in dem du ergänzende Lernziele anbietest. Außerdem eine Fragerunde, damit deine Teilnehmenden wirklich mit dem Gelernten etwas anfangen können.

Bist du bereit für die fünf Methoden?

1. Methode: Der lückenhafte Kurzvortrag

Kurz & knackig: Max. 10 Minuten Input. Du lässt bewusst Lücken an kniffligen Stellen (Shortcuts, Grundfunktionen, potenzielle Stolperfallen).
Zielgruppe: Rookies, Warm-up im Aufbautraining.
Ablauf:

  • Klick-für-Klick-Anleitung mit 3–5 Lücken.
  • Übungsfolie (5–7 Min): Fehlende Tasten sind auf der Folie „versteckt“. Die Gruppe verbindet oder füllt die Lücken per Zeichenfunktion und umkreist neue/hilfreiche Funktionen.
  • Variante: 2er-Breakouts fürs schnelle Rätseln; danach gemeinsame Auflösung + „Was passiert wenn…?“-Fragen.
  • Handout: Top-Shortcuts als Spickzettel.

Beispiele: [Alt]+[F4] (alles weg), [Strg]+[Z] (Rettungsanker), [Strg]+[S] (Speichern), [Strg]+[W] (Fenster schließen).
Einsatz: Excel-Grundlagen, Webinarplattform-Bedienung, WordPress, Canva, Ticketsysteme, Videoschnitt – überall, wo Shortcuts zählen und kleine Fehler große Wirkung haben.

Sandra Dirks - Auf dem Bild sieht man den Teil einer Tastatur mit den Tasten STRG und ALT.

2. Methode: Nutze die 10:10- oder 10:20-Regel

Prinzip: 10 Min Input → 10/20 Min Einzel-Praxis im Breakout-Raum. Ruhe statt Zuschauer-Modus, SOS an dich jederzeit möglich.
Vorbereitung: Idealerweise bringt jede Person ein eigenes Projekt mit.
Beispiel (Canva):

  • Runde 1: Projekte anlegen, Elemente hinzufügen (10 Min).
  • Runde 2: Eigenes Design mit Farben/Schriften/Elementen umsetzen (10–20 Min).
    Auswertung: 10–15 Min Q&A/Showcase im Plenum (freiwillig).

Varianten: 10:10 (kompakt) • 10:20 (mehr Praxis) • Aktionstage mit 30–45 Min Umsetzungsfenstern zwischen drei Kurz-Sessions.

Warum einzeln? Fokus! Kein „Wie hast du DAS gemacht?“ im Plenum, kein Chat-Gestöber. Wer möchte, arbeitet zu zweit/dritt – Hauptsache selbst gemacht.

3. Methode: Lass die Teilnehmenden in deinem System arbeiten

Ideal: kleine Gruppen (max. 12–16).
Setup: Du stellst eine klare, herausfordernde Aufgabe (mündlich + im Chat). Eine Person übernimmt deine Maus, die Gruppe spricht laut die Schritte mit. Zeitmanager festlegen.

Beispiel: „Erstellt eine 3-Folien-Präsi mit automatischen Übergängen und animiertem Firmenlogo.“
Deine Rolle: beobachten, bei Hängern kurze Lösungsimpulse geben, Fortschritt wertschätzen, auf die Zeit achten. Chat vermeiden – Sprechen ist schneller.

Alternative: Breakout-Räume (nur wenn jede Gruppe Zugang zur Software hat). Richtwert: 5 Min. Aufgabe • 10–15 Min. Bearbeitung • 10–15 Min. Auswertung.

4. Methode: Kreative Kontrollaufgaben

Ziel: Verständnis sichern ohne Ja/Nein-Langeweile.
Taktung: max. 10 Min Input → 5–15 Min aktive Wiederholung.

Für große Gruppen (>15):

  • Fehler-Wettbewerb: Demo mit Absichtsfeldern → alle posten Funde.
  • Übersetzungsrunde: Fachbegriffe → Alltagssprache (Abstimmung/Chat).
  • Quiz/Umfrage: gern als Mini-Challenge.

Für kleine Gruppen (≤15):

  • Mini-Präsentation: 2–3 Min „So funktioniert’s“, ideal mit Screenshare.
  • Perspektivwechsel: Teilnehmende erklären dir eine Funktion (du spielst ahnungslos).
  • Live-Demos der Teilnehmenden: Machen schlägt Zuhören.

Praxis-Tipp: Bau dir einen kleinen Fundus solcher Checks für Plan-B-Momente.

5. Methode: Rollentausch in der Fragerunde

Zum Schluss, schnell & fein.
Sanft: „Wer mag das beantworten?“ – Antworten bestärken, bei Bedarf ergänzen.
Gruppen-Power: 3–4er-Teams, je ein Teilbereich, 10 Min „Experten werden“, dann gegenseitig Fragen & Antworten.
Deine Rolle: fehlerfreundliche Atmosphäre, unvollständige Beiträge würdigen („Wer ergänzt?“), behutsam korrigieren.


Übrigens: Wenn du diese Methoden einsetzt, sprengst du vielleicht den klassischen Webinar-Rahmen aber es macht deine Veranstaltung zu einem ordentlichen und aktiven Online-Workshop.

Aber psst! 🤫 Nenn es ruhig weiter „Webinar“ in deiner Ausschreibung. Die meisten Teilnehmenden erwarten bei „Workshop“ nämlich noch mehr Aktivität und schrecken eventuell zurück. Überrasche sie lieber positiv, wenn aus dem erwarteten Frontalvortrag plötzlich eine spannende, interaktive Session wird!

Na, hättest du gedacht, dass kreative Methoden auch ohne Fingerfarben und Gruppenumarmungen funktionieren?

Diese fünf Methoden zeigen: Kreativität im Software-Webinar bedeutet einfach, clever vom ausgetretenen „Ich-rede-ihr-schlaft“-Pfad abzuweichen. Keine wilden Experimente, sondern durchdachte Alternativen, die deine Teilnehmenden wirklich weiterbringen.

Also, trau dich! Deine Teilnehmenden werden begeistert sein – und zwar nicht nur die eine Person, die ohnehin in dich verliebt ist.

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