Arbeiten mit der KI – Vom Pisspott zur Sammeltasse und zurück

Hier geht es um meine Schnellversuche in der Bearbeitung eines Profilbildes mit einer KI-App in Canva. Ich muss dieses Erlebnis mit dir teilen, denn ich bin zutiefst erschüttert.

Für wen ist dieser Beitrag

Dieser Beitrag ist für alle träumenden Klicki-Buntis, die wie ich Lust haben auf schöne Fotos oder Illustrationen. Aber wir sind keine Profis oder haben keine Lust, sechs Stunden in einem Profiprogramm an einem Foto herumzuschrauben, damit es perfekt wird. Wenn ich einem Profi dabei zuschaue, wie ersie sich durch Lightroom oder Photoshop klickt, um ein perfektes Foto einfach so göttlich wunderschön zu machen, dann fange ich an zu sabbern oder mir stockt der Atem. Ich liebe es und ich liebe perfekte Fotos, werde das aber niemals erreichen. Ich habe mich in die Funktionen bei Lightroom und Photoshop eingearbeitet, doch das allein reicht nicht. Jetzt könntest du sagen, dass ich meinen Anspruch zurückschrauben soll, aber dann fehlt mir der Drive, mich überhaupt damit zu beschäftigen. Leider sieht man es meinen Fotos auch an, wenn ich spontan keine Lust habe. Wahrscheinlich geht es allen so.

Ich möchte meine Fotos und mich nicht komplett schlecht machen, aber es ist immer noch Luft nach oben. Möglicherweise bin ich der einzige Mensch auf der Welt, der nicht mehr Realität auf Instagram und in diesem Internet fordert. Ich mag schöne Dinge. Ganz egal, wie sie entstehen. Ich suchte schöne Accounts (suchten von Sucht wie süchtig). Ich versuche außerdem alle meine Fotos von mir, wenn möglich, so zu bearbeiten, dass meine Haut glatt ist, meine Zähne weiß sind, die Augenringe etwas verschwinden, wobei das nicht mein Hauptproblem ist. Pickel kann ich schon seit 20 Jahren entfernen, überdies sind sie ohnehin weniger geworden. Easypeasy.

Ich bin eitel und Altern ist auch nicht meins

Wenn ich das Doppelkinn auch noch in schick hinbekäme, dann würde ich das tun. Ja, und mehr Busen, mehr Taille, dafür weniger Bauch, wenn das mal einfacher wäre. Über die Beine reden wir nicht. Die lasse ich bei Bildern ohnehin außen vor.

Aber ich mag meinen Körper. Doch. Klar, denn ich habe viel davon. Ich weiß, wo er herkommt und ich weiß, wo ich hin möchte. Zufrieden bin ich sehr mit meinem Spiegelbild, denn Kleidung und Make up können eine Menge. Dann fühle ich mich radiant und ab geht’s vor die Tür. In solchen Momenten habe ich sehr viel Energie und Präsenz, dass mich sogar Leute darauf ansprechen.

Genau in diesem Outfit ist das passiert, weil ich den Blazer liebe und mich darin sauwohl fühle. Auch auf die Gefahr hin, dass er vielleicht Artefakte verursacht, durfte er mit aufs Bild. Auf alle Bilder dieser neuen Webseite, hier im Mai 2024.

In meinem Job brauche ich ebenfalls diese Energie und die Präsenz. Das macht richtig viel Spaß. Dazu möchte ich Fotos von mir, die das transportieren. Das ist wahnsinnig schwer. Die Fotos für die Webseite hier, die gefallen mir, aber sie transportieren das nicht so wirklich. Diese Fotos hat kein Profi gemacht, der Ehemann hat sie mit dem 85 mm Objektiv fotografiert. Er hat das gut gemacht, aber ich weiß nicht, ob ein paar Posing-Ansagen vom Profi hier nicht doch etwas bewirkt hätten. Vielleicht auch ein anderes Setting. Man weiß es nicht. Ich werde es auch so schnell nicht erfahren, denn ich befinde mich in einem Transformationsprozess, der andauert. Ganz am Ende darf dann gerne ein Profi anrücken, zwischendurch werden wir uns immer wieder mit dem 85 mm Objektiv hinter dem Haus vor der Polizeigarage mit den Backsteinen austoben. Das ist gar nicht so übel, finde ich.

Aber du verstehst gerade, worauf ich hinaus möchte, oder?

Die KI soll’s richten

Ja, das soll sie. Sie soll nicht nur das Gesicht weichzeichnen, die Augenringe aufhellen. Das bekomme ich auch in Lightroom hin. Sie soll meine Fotos so transformieren, dass Energie und Präsenz transportiert werden. Das ist der Anspruch. In den Beispielfotos sind immer 14-jährige elfengleiche Girls mit wallendem Haar, die dann von der KI ein Businessoutfit verpasst bekommen. Damit sehen sie aus wie 21, haben gleichzeitig aber oft die Ausstrahlung einer CEO eines namhaften Welt-Konzerns. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn es denn hilft, einen guten Start ins Berufsleben zu haben, dann ist das toll.

In wieder anderen Bildern wird scheinbar eine Disney-Prinzessin in Amal Clooney verwandelt. Schön, aber hier ist auch das Ausgangsmaterial schon zauberhaft. So, jetzt komme ich. Überzeugt, dass das toll ist, rufe ich in Canva die App ProfilePhoto auf. Diese Beispielfotos sind etwas lahm, aber ich möchte es trotzdem ausprobieren.

Ich bin gespannt und experimentiere gerne.

Ich möchte das KI-Bild im neuen Design verwenden und wähle dafür eine Präsentation aus.

Ich wähle dieses Foto aus den Uploads aus. Ich mag das Bild sehr. Es ist noch nicht optimal, mit der Ausleuchtung etc., aber das wird die KI ja richten. Denke ich optimistisch.

Mit einem Klick auf „Use selected Image“, dann auf „Generate“, fängt die Maschine an zu arbeiten. Nach einigen Sekunden wirft sie das folgende Bild aus.

Ich bin schockiert und weiß nicht, ob ich heulen, schreien oder lachen soll. Es ist wie ein Schlag in die Magengrube. Ist das die Wirkung, die ich auf Menschen habe? Sehe ich tatsächlich so kacke aus? Das ist furchtbar, das ist eine Katastrophe. Ich laufe wütend durch die Wohnung, verfluche die KI, Canva, nerve den Ehemann. Ich versuche es mit weiteren Beispielen.

Ohne Worte

Sehe ich wirklich aus wie 70? Nein, antworte nicht.

Hier bin ich versucht, einen Cowboyhut zu ergänzen. Wo bitte kommen denn die Frisuren her? Das ist doch alles dasselbe Bild. Die Klamotten? Wer hat die Klamotten gemacht?

Ich habe wirklich Humor, aber in dieser Sache bin ich fertig, bin ich raus. Ist das wirklich das Optimalste, was eine KI aus meinem Foto automatisch extrahieren kann?

Hier noch die zusammengeschnittenen Versuche aus anderen Fotos. Eins muss ich sagen: Ich hätte gerne den Mund von der Dame links in Grau, die Haarfarbe der Dame in der Mitte. Das muss ich meinem Hairstylisten unbedingt zeigen. Das gefällt mir. Bei der 3. Person rechts frage ich mich, ob sie gleich einschläft. Wer sind die alle?

Mein Fazit zur Nutzung dieser Klicki-Bunti-App

Ich weiß nicht, woraus die App sich speist. Aber die generierten Fotos sind eine Katastrophe. Wahrscheinlich muss man auch hier eine KI-Anwendung nutzen, die ein wenig mehr Geschick in der Bearbeitung notwendig macht. Eine KI, bei der ich mir einen Prompt zusammenstellen muss, der am Ende ein wirklich gutes Ergebnis zeigt. Das bleibt auch mit einer KI harte Arbeit. Leichter ist es immer, wenn schon das Foto annähernd deinem Geschmack entspricht.

Hier empfehle ich in Canva die App „Enhancer“

Da sind die Ergebnisse eher nach meinem Geschmack. Nichts Überraschendes, solides Glattziehen der Gesichtszüge. Schön gemacht.

Noch ein bisschen schruppidiwuppi. Vorher, vor dem Enhancer.

Nachher mit ein bisschen Enhancer-Magie. So habe ich es gerne, da stört auch das Doppelkinn fast nicht mehr, weil ich mich in der Situation auch wirklich wohlgefühlt habe.

Hier noch ein Tipp für die Familiengalerie

Ich habe neulich mit meiner Mutter in einem alten Fotokasten geschmökert. Hier tauchte ein altes Bild auf, das damals etwa 1935 von einem Fotografen erstellt wurde. Ich dachte erst, dass das ein Bild meines Opas war, aber es war sein kleiner Bruder. Er fiel 1944 in der Normandie.

Ich wollte das Foto unbedingt bearbeiten, ein solcher Lausbub gehört in meine Familiengalerie im Flur. Ich fotografierte das Bild im guten Licht ab. Dann schickte ich das Bild durch die PhotoApp, die ich testweise auf mein Android-Smartphone geladen hatte. Die App entfernte alle Altersspuren und das Bild ist zwar auch etwas künstlicher, doch auch viel klarer geworden. Das gefällt mir gut. Ich werde es trotzdem auf Alu-Dibond drucken lassen und dann in einen der tiefen IKEA-Rahmen einsetzen. Alu-Dibond verstärkt den Effekt noch und macht das Bild lebendiger. Ich bin schon sehr gespannt. Hier sind bei Fotos zum Vergleich:

Links das Original, rechts das bearbeitete Foto. Hier hätte ich den Hintergrund erneut bearbeiten können. Doch ich finde es genau gut so, wie es ist. Den kleinen schmuddeligen Schatten an der Wange hat die KI beibehalten. Wer weiß, aus welcher Sandgrube der stammte. 😄

Für solche Aktionen finde ich diese PhotoApp relativ gut. Wer hat nicht schon mal alte Fotos gefunden, die es wert wären, in einem Rahmen zu glänzen? So werden sie einfach wieder besser erkennbar. Dieses war nun gutes Ausgangsmaterial, aber es gibt auch andere Fotos. Ich freue mich darauf, hier mehr auszuprobieren. Hier kannst du mit Klicki-Bunti-Apps etwas erreichen.

Bei der Photo-App musst du aufpassen, inwiefern es sich für dich lohnt. Ich habe sie nur kostenlos getestet. Wenn ich mir einen Stapel alte Familienbilder vornehme, dann werde ich vielleicht mal 5,99 € für eine Woche investieren und dann wieder kündigen. Es ist aber auch viel los in diesem Bereich und vielleicht gibt es in ein paar Tagen auch schon bessere Apps.

Abschließend dazu

Vielleicht hältst du mich für hysterisch, weil ich so einen riesigen Aufriss für ein paar Fotos mache. Vielleicht findest du die KI-Fotos gar nicht so schlimm, vielleicht denkst du, ich sollte mehr Humor haben und mich entspannen. Aber nachdem ich in den vergangenen Monaten 20 Kilo abgenommen habe, finde ich es eben doof, wenn die KI sie mir wieder draufschafft.

Ich denke, dass wir uns alle in bezug auf das Thema KI ganz allgemein mal etwas entspannen sollten. Wir sollten uns, jeder für seine Branche oder für seinen Bereich, mit dem Thema auseinandersetzen. Das ist wichtig. Wir sollten aber weder in Panik noch in absolute Hysterie verfallen, in bezug auf das, was die KI kann. Eine KI kann ganz doll tolle coole Sachen machen, aber wenn du mal ganz profund hinter die Kulissen schaust, dann sind die Dinge, die wirklich richtig gut sind, eben doch mit viel Liebe zum Detail kreiert. Mit gut ausgeklügelten Prompts optimiert, die eine Person verfasst hat, die genau gewusst hat, was am Ende dabei herauskommen soll.

Eine App, bei der man nur auf den Knopf drückt, um etwas zu generieren, das dich oder deine Expertise ersetzt, ist nur so gut wie der Programmierer. Wenn deine Expertise tatsächlich so minimal ist, dass deine Tätigkeit auf Knopfdruck gänzlich professionell von einer KI erledigt werden kann, dann hast du berechtigterweise ein Problem, finde ich.

Wenn es darum geht, deine Präsenz, deine Akzeptanz zu stärken, weil du eben viel mehr bist und kannst als eine KI, dann arbeite daran. Sofern es hier um deine Präsenz in der Workshopmoderation oder das [kreative] Update deiner Workshops geht, dann sollten wir unbedingt darüber sprechen.

Welche Erfahrungen hast du mit Bildbearbeitung durch KI gemacht? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich bin sehr gespannt.

Deine

Ganz lieben Dank, dass du diesen Beitrag teilst!

6 Antworten

  1. Hi Sandra, ich komme auf Empfehlung von Claudia Kauscheders Newsletter auf deine Seite.
    Es beruhigt mich, dass nicht nur bei mir die KI – Bilder grottig sind, sondern auch bei anderen
    Auf den 3 KI generierten Beispielen siehst du dir gar nicht mehr ähnlich!
    Meine Versuche waren in Canva bisher KI generierte Bilder mit Prompts. Die waren in den meisten Fällen nicht nutzbar, weil auf einmal ein Arm versetzt zu sehen war oder eine Hand zu viele Finger hatte – ein bisschen gruselig! Ich habe deinen Blog gleich mal in meine Feedly-App eingespeist und freue mich auf weitere Berichte von dir! Liebe Grüße, Anette

    1. Hi Anette,
      das freut mich sehr, dass du bei mir gelandet bist. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Claudia meinen Beitrag in ihrem Newsletter empfohlen hat. Ich freue mich auch, dass du mir zustimmst, dass ich mir so gar nicht mehr ähnlich sehe.
      Meine KI-Bilderfahrungen in Canva sind bisher auch eher unbrauchbar. Ich mag Technik, ich mag das Thema KI, weil es die kleine Nerdine in mir begeistert. Aber man muss auch immer schauen, wofür welche Anwendung wirklich sinnvoll ist.
      Viel Spaß beim Experimentieren und Lesen.
      Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
      Sandra

  2. Hej Sandra,
    lieben Dank für diesen Lacher am Abend.
    Ich habe gerade nochmal hochgescrollt – und beim ersten und zweiten Bild aus der KI muss ich einfach laut lachen. Auch beim elften Mal ansehen.
    Und ich muss laut lachen, weil das nicht die Sandra ist, die ich kennen lernen durfte.

    Und wahrscheinlich ist genau das auch das Problem an der KI – sie kennt halt den Menschen dahinter nicht und verändert lediglich anhand irgendwelcher äußeren Merkmale.

    Wenn ich ein bisschen Leerlauf und Muße in naher Zukunft habe, werde ich mal meine Bilder durch Canva jagen.

    Liebe Grüße,
    Mona

    1. Hi Mona,
      ganz lieben Dank für dein Feedback, das freut mich sehr. Beim elften Mal ansehen? Wow, du bist ja Superfan. Dankeschön.
      Ja, du hast recht, das ist das Problem. Im Grunde wollen wir ja, dass die KI das in uns entdeckt und auspackt, was wir sind oder das, was wir uns im Laufe der Jahre erarbeitet haben und dass sie nicht nur Klischees ergänzt.
      Das ist sicher eine Frage des Trainings einer KI, bedeutet aber auch, dass man zukünftig für solche Programme noch viel mehr von sich preisgeben muss, damit das alles auf Knopfdruck passiert. Ein interessantes Spannungs- oder Experimentierfeld zwischen Faszination und Grusel.
      Bin gespannt, wie deine Erfahrungen sind und wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren.
      Liebe Grüße
      Sandra

  3. Oh mein Gott Sandra,
    ich habe Tränen gelacht und bin wirklich versucht, meine Fotos auch mal mit Canva zu bearbeiten.
    Ich bearbeite meine Fotos nähmlich nie – so wie ich aussehe, sehe ich halt aus.
    Mir geht der Hype, um das perfekt Aussehen sogar ein bisschen gegen den Strich.
    Ich gebe dir Recht, ein bisschen Makeup und schöne Kleidung dürfen es schon sein – sollten meiner Meinung nach aber gut genug sein, um sich wohl zu fühlen.
    Ich mag dich und deine Fotos, so wie du ausschaust – wobei die Versuche, das zu verbessern wirklich Klasse waren – lass uns gerne an neuen Experimenten teilhaben.
    Liebe Grüße
    Sonja

    1. Liebe Sonja,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar. <3
      Wie, du hast Tränen gelacht? Das ist ja ein Ding, ich leide schwer und du lachst einfach. 😉
      Bin selbst gespannt auf weitere Experimente. Es gibt ja noch genügend Apps zum Ausprobieren.
      Liebe Grüße
      Sandra

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