Methode zur Auswertung: Fishbowl in Seminar und Webinar nutzen

Trainingstipps
Sandra Dirks - Flipchart zur Fishbowl-Methode

Fishbowl? Das ist doch so ein dickes bauchiges Goldfischglas mit einem einzelnen und neugierigen Fisch, der immer ein wenig gestresst aussieht, oder?
Ja, das trifft es ganz gut, und es sieht so aus.

Sandra Dirks - Die Methode Fishbowl

Wer ist denn in diesem Fall der gestresste Goldfisch, und was soll das bringen?

Gemach! Genau darum geht es hier.

 

Rahmenbedingungen

Seminarphase:  Abschluss, Vertiefung, Praxistransfer
Zeit:                      20 – 60 Minuten
Teilnehmer:       mind. 8 – 24
Material:             Je nach Thema evtl. Moderationsmaterial für die Dokumentation der Diskussionen
Raum:                 Platz für einen Stuhlkreis in der Mitte des Raumes, oder auf einer Bühne, die anderen Teilnehmer sollten die Diskutierenden gut sehen können

Der Fishbowl ist eine Diskussionsmethode

Die klassischen Fishbowl-Regeln findest du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Fishbowl_(Diskussionsmethode)

Was bringt diese Übung?

Die Methode…

  • gibt allen Sichtweisen zu einem Thema im Raum die nötige Aufmerksamkeit.
  • zeigt auf, dass es für ein Thema viele Facetten gibt, denn jeder Teilnehmer spricht seine Sicht der Dinge an.
  • hilft, Unsicherheiten und Fehler zu entdecken, zu diskutieren und auszuräumen. Sowohl im Gespräch der Teilnehmer untereinander, als auch in Rücksprache mit dem Trainer.
  • ebnet den Weg zum Praxistransfer, sofern die Diskussionen auch Platz lassen für Best-Practice-Beispiele.

 

Was brauchst du für diese Übung?

  • Platz für einen Stuhlkreis mit ausreichend Platz drumherum, damit alle Teilnehmer, die aktuell nicht am Fishbowl teilnehmen ausreichend Platz mit Blick auf die Gruppe im Fishbowl haben.

 

Fishbowl - Die intensive Auswertungsrunde in Seminar und Webinar

  • Stoppuhr für 5 (10 oder 15 …. )-Minuten-Intervalle
  • Eine klare Arbeitsanweisung, die gut von allen Teilnehmern eingesehen werden kann.

 

In welchen Varianten kannst du diese Methode in Seminar und Webinar einsetzen?

  • Eine Variante ist der Ersatz einer Gruppenpräsentation.
    Die Teilnehmer bearbeiten ihre Aufgaben in der Kleingruppe, und machen sich während der Bearbeitung Notizen.
    Dann stellen sie diese Ergebnisse im Plenum in den wichtigsten Punkten noch einmal vor, und teilen gleichzeitig dem Plenum ihr Ergebnis mit. Es ist, als würden alle anderen bei diesem fachlichen Gespräch lauschen.
    Das hat den Vorteil, dass den Zuhörern nicht nur die Ergebnisse präsentiert werden, sondern auch der Weg dahin klar wird. Eine gute Idee, wenn es z.B. um Vorschläge für neue Abläufe im Unternehmen geht, Umsetzung neuer Ideen, Einführung neuer Produkte.
    Manchmal ist eben auch der Weg das Ziel!

 

  • Eine 2. Variante ist, dass jede Kleingruppe im Rahmen ihrer Gruppenarbeit einen Vertreter bestimmt der die Ergebnisse in einem abschließenden Fishbowl vorstellt und vertritt.
    Hier wird es interessant, wenn es wirklich um Pro und Contra geht. Im klassischen Seminar sollte hier der Fokus nicht darauf liegen, festzustellen, wer im Recht oder im Unrecht ist.
    Mache den Teilnehmern klar, dass es gut ist, Pro und Contra zu diskutieren, weil sich dahinter die vielen unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Thema zeigen.

 

  • In der 3. Variante verzichtest du komplett auf eine Gruppenarbeit, und lässt die Aufgabe gleich im Fishbowl im Plenum besprechen. Die Aufgabe wird also live vor den Augen aller anderen Teilnehmer bearbeitet.
    Allerdings läufst du bei dieser Variante Gefahr, dass sich ruhigere Teilnehmer hier überrumpelt fühlen, sich zurückziehen, und ihre Ideen für sich behalten. Sehr schade.
    Ich könnte mir diese Vorgehensweise aus Gründen der Zeitersparnis vorstellen. Wenn du zeitlich aus dem Rahmen bist, so könnten du statt der geplanten Gruppenarbeit plus Auswertung hier gleich die Auswertung ansetzen.
    Diese Variante erinnert mich außerdem an Gruppendiskussionen im Rahmen eines Assessment-Centers. Für mich war das immer ein echtes Fiasko, denn Gruppendiskussionen habe ich immer gehasst. Wenn ich mich umhöre, dann geht es vielen anderen ebenso. Also, DA wirst du glatt zum gestressten Fisch im Goldfischglas.
  • Eine 4. Variante ist die Expertenvariante. Du lädst Experten zu einem bestimmten Fachgebiet ein. Die Fragen an die Experten kommen aus dem Plenum. Wer eine Frage mit den Experten besprechen möchte, der nimmt auf einem zusätzlichen Stuhl im Fishbowl platz. Der Frager wird von anderen abgelöst. Deine Aufgabe als Moderator oder Trainer ist es, den Wechsel innerhalb der Fragesteller zu unterstützen, damit dieser immer wohlwollend geschieht, und die Zeit im Blick zu behalten.
    Im Webinar schreiben die Teilnehmer ihre Fragen in den Chat. Hier musst du als Moderator manchmal ganz schön durchgreifen um die Zeitvorgabe einzuhalten. Entweder haben die Experten viel zu erzählen, oder die Teilnehmer haben so viele Fragen an die Experten, dass du damit auch drei weitere Webinare füllen könntest.
    Im Webinar ‚verschwimmt‘ hier der Fishbowl etwas. Es kann hier eher zu einer Podiumsdiskussion werden, wenn die Fragen nur in den Chat geschrieben werden, und der Fragesteller nicht aktiv mitdiskutieren kann.
  • Eine 5. Variante ist die freiwillige Variante, bei der die Teilnehmer sich freiwillig an der Diskussion beteiligen. Stell 5-7 Stühle in der Mitte in einem Stuhlkreis auf, und schreib das Thema ans Flipchart.
    Die Freiwilligen nehmen in der Mitte auf den leeren Stühlen Platz und beginnen zu diskutieren, nachdem du das Startsignal gegeben hast.
    Hierbei kann jeder Teilnehmer frühestens nach 5 Minuten zwischendurch von einem anderen Teilnehmer außerhalb des Kreises abgelöst werden. Vergleichbar mit dem ‚Abklatschen‘ beim Wechsel eines Tanzpartners. Der abgeklatschte Teilnehmer verlässt den Kreis, der neu hinzugekommene nimmt seine Position ein. Dabei ist er nicht verpflichtet, den Diskussionspunkt seines Vorgängers fortzuführen, er kann das aber tun, wenn er möchte.
    Als Trainer solltest du bei sehr aktiven Teilnehmern vorgeben, dass jeder neu hinzugekommene Teilnehmer mindestens 5 Minuten Zeit für das Mitteilen seiner Sichtweise oder Idee bekommt, bevor auch er wieder abgeklatscht werden kann. Wenn du das nicht ermöglichst, dann endet diese Diskussion in einem heillosen Durcheinander.

 

Wie läuft die Methode im Präsenztraining ab?

  • Bitte die 1. Teilnehmergruppe in den vorbereiteten Fishbowl.
  • Nenne noch einmal die Aufgabenstellung. Im besten Fall hast du diese während der gesamten Zeit für alle sichtbar auf dem Flipchart notiert.
  • Gib das Startsignal, und den Zeithinweis. Wenn du möchtest, dass die Teilnehmer die Zeit selber in den Blick nehmen, dann bitte die Teilnehmer, einen Zeitmanager zu wählen, zu bestimmen, festzulegen.

Fishbowl - Die intensive Auswertungsrunde in Seminar und Webinar 2

  • Halte deine Zeitvorgaben ein. Wechsele die Gruppen im Fishbowl wie angekündigt. Beantworte am Ende im Plenum noch offene Fragen der Teilnehmer.

Fishbowl - Die intensive Auswertungsrunde in Seminar und Webinar 3

 

Fishbowl - Die intensive Auswertungsrunde in Seminar und Webinar 4

Finde noch weitere Varianten für einen Wechsel, z.B. nur Frauen, nur Männer, nur Auszubildende, nur nur Ausbilder…

Fishbowl - Die intensive Auswertungsrunde in Seminar und Webinar 5

 

 

Wie läuft die Übung im Webinar ab?

  • Grundsätzlich ist der Ablauf zum Präsenzfischbowl analog, nur dass du keine Stühle bereitstellst.
    Bitte die 1. Teilnehmergruppe in den vorbereiteten Fishbowl, indem du sie freischaltest, d.h. bei edudip, dass du deinen Teilnehmern das Mikrofon freischaltest, so können die Teilnehmer miteinander sprechen.
    Unter dem Whiteboard siehst du dann die Diskussionsteilnehmer in einer Reihe. Sogar in Bewegung, wenn du die Teilnehmer bittest, ebenfalls ihre Kamera freizugeben.
    Schalte für diesen Fall maximal vier Teilnehmer frei, um auch Teilnehmern mit einer geringen Bandbreite (miese Internetverbindung) ein Zuhören, oder Zusehen zu ermöglichen.Bei AdobeConnect kannst du die Teilnehmer im Diskussionslayout anordnen, d.h. alle aktiven Teilnehmer sind jetzt größer auf dem Whiteboard zu sehen. Bitte dafür alle aktuell nicht aktiven Teilnehmer, ihre Kameras auszuschalten, und schalte auch deine Moderatorkamera aus. So haben alle einen guten Blick auf die aktive Diskussionsgruppe.
  • Erinnerst du dich noch an die Variante Nr. 5? Im Webinar würde diese Variante so aussehen:
    Gebe maximal 4 freiwilligen Teilnehmern das Wort. Bitte die Teilnehmer in den Chat zu schreiben, oder das Handzeichen-Symbol zu benutzen, wenn sie in der 1. Runde freiwillig mitmachen möchten.
    Schalte nun die Mikrofone der ersten Freiwilligen frei. Notiere die vier Namen auf dem Whiteboard.

Freiwillie 1. Runde im Webinar Fishbowl

  • Bitte die anderen Teilnehmer, die Fishbowl-Teilnehmer, die sie ersetzen möchten auf dem Whiteboard durchzustreichen, um dann ihren eigenen Namen anzufügen. Das zeigt dir, wem du nach einer kurzen Info das Mikrofon entziehen, also ausschalten musst, und wen du dann neu freischalten musst.
    Gib auch in diesem Fall dem eingewechselten Teilnehmer seine fünf Minuten Zeit, um sein Statement abzugeben, bevor er oder sie durch den nächsten wieder ersetzt wird.

Freiwillie 1. Runde im Webinar Fishbowl 2

  • Nenne noch einmal die Aufgabenstellung. Außerdem hast du diese während der gesamten Zeit für alle sichtbar auf dem Chart (PowerPoint) notiert.
  • Gib das Startsignal, und den Zeithinweis. Behalte die Zeit im Blick. Entweder du bestimmst vorher den Zeitmanager, wenn dir das wichtig ist, oder du bleibst als Moderator der Zeitmanager. Im Webinar musst du immer sehr penibel auf die Zeit achten, weil du noch viel weniger davon hast, als an einem Präsenztag im Trainingsraum.
  • Halte deine Zeitvorgaben ein. Wechsele die Gruppen im Fishbowl wie angekündigt.
  • Beantworte am Ende im Plenum noch offene Fragen der Teilnehmer. Bitte die Teilnehmer dazu jeder für sich noch einmal zu überlegen, welche Fragen aufgekommen sind. Lass diese Fragen in den Chat schreiben. So können du sicher sein, dass du alle Fragen im Blick hast, wenn du sie nacheinander abarbeitest.

 

FAQ

Typische Fragen und Troubleshooting:

 

Was mache ich, wenn die Teilnehmer sich im Kreis anschweigen?

Du kannst dann die Arbeitsaufgabe noch einmal wiederholen, und fragen, an welcher Stelle es Unklarheiten gibt.

Wenn sich dann immer noch gar nichts tut, dann solltest du die allseits beliebte „Was’n hier los?“-Frage stellen. Vielleicht ist das kein fachliches Problem, sondern eine gruppendynamische Störung. Die solltest du im Blick behalten.

Wie lange soll die Übung dauern? Sind 5 Minuten nicht zu wenig?

Es gibt Themen, denen es mal ganz gut tut, wenn sie nicht allzu sehr in die Länge gezogen werden. So wird der Fokus hier einfach auf die wirklich wesentlichen Dinge geworfen!
Ich finde es ganz heilsam, auch mal die Zeit zu beschränken. aber das ist natürlich ganz allein dir überlassen.

 

Aber mein Webinar dauert nur 60 Minuten, wie soll ich da so eine lange Übung machen?

Klar, denn die Teilnehmer haben auf diese Weise nicht nur den Inhalt, sondern gleichzeitig ein Verständnis fürs Thema, und den Praxistransfer, den die intensive Auswertung bietet. Wenn möglich, dann gliedere doch dein gesamtes Thema auf diese Weise. So ist es keine thematische Berieselung, sondern aktives Lernen.

Wie?

Sie machen also eine kurze Einführung, dann diese Übung, ein kurzes Round up – und Tschüss! Mehr Webinar braucht kein Mensch.

 

Was ist denn, wenn die Teilnehmer Fragen zu den Inhalten haben?

Es kann sein, dass die Teilnehmer auf Inhalte stoßen, mit denen sie nichts anfangen können,

… weil sie es nicht richtig verstanden haben,

… weil es falsch ist oder sich Anmerkungen widersprechen,

… weil du als Trainer vielleicht zu schnell davon ausgegangen sind, dass die Teilnehmer alles verstanden haben.

Für all das bietest du eine abschließende Schlussrunde an, in der du als Trainer diese Inhalte noch einmal kurz zusammenfassend erklärst. Das ist genau der richtige Punkt, denn hier vermittelst du genau das Wissen, was die Teilnehmer benötigen.

 

Sandra Dirks - Flipchart zur Fishbowl-Methode

Nun, wenn du es genau betrachtest, dann können auch die Teilnehmer an so einem Fishbowl manchmal etwas gestresst aussehen.
Manch einer plustert sich vielleicht auch ein wenig auf und rollt mit den Augen? 😉

 

Jetzt bin ich aber neugierig.
Welche Erfahrungen hast du mit dieser Übung offline oder/und online?
Ich freue mich auf deine Kommentare.

Gruß von Sandra Dirks

 

Sandra Dirks

Hallo, ich bin Sandra!
Ich blogge über Flipcharts und Methoden, um zauberhaften Menschen dabei zu helfen, Ideen zu finden, für quirlige, überraschende und unvergessliche Events.

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