Wispr Flow zeigt 809.827 diktierte Woerter, das entspricht acht kompletten Buechern.

Ich rede mit meinem Computer. Seit April 808.379 Wörter.

Seit April spreche ich meine Texte, statt sie zu tippen. 808.379 Wörter später weiß ich: Es funktioniert. Mein Mitarbeiter heißt allerdings manchmal Bruder Kot.

Die Wäsche im Keller

Wenn ich anfange zu schreiben, ist in meinem Kopf erst mal viel los. Ich müsste die Wäsche aus dem Keller holen. Diese eine E-Mail liegt noch da. Ein Newsletter wäre auch mal wieder dran. Will ich diesen Blogbeitrag heute überhaupt schreiben?

Gegen diese Gedanken muss ich anarbeiten, jedes Mal. Das kostet Energie, und die habe ich pro Tag nur in einer bestimmten Menge. Manchmal ist sie aufgebraucht, bevor der erste Satz steht.

Seit dem 15. April rede ich stattdessen einfach los.

Der Unterschied ist nicht das Tempo

Ich dachte erst, es ginge ums Schnellersein. Sprechen geht schneller als Tippen, klar. Der eigentliche Trick liegt woanders.

Beim Sprechen habe ich das Gefühl, ich erzähle das jemandem. Mein Kopf schaltet in den Modus, in dem er ohnehin am liebsten arbeitet. Ich bin mitten im Gedanken, bevor ich gemerkt habe, dass ich angefangen habe.

Danach kann ich mich auch hinsetzen und weiterschreiben. Der Anfang ist schon gemacht.

Was dabei herauskommt

Das Programm heißt Wispr Flow und es führt Buch über mich. Nach viereinhalb Monaten sieht das so aus:

Auswertung von Wispr Flow: 122 Woerter pro Minute, 56.821 Korrekturen und 808.379 diktierte Woerter insgesamt.
Gesprochene Wörter seit dem 15. April808.379
Wörter pro Minute122
Damit unter den schnellsten0,7 %
Reine Sprechzeit110 Stunden
Pro Tag im Schnitt5.858 Wörter

808.379 Wörter. Zum Vergleich: Ein Fachbuch, dessen Satzfahne gerade auf meinem Schreibtisch lag, hat 92.215 Wörter. Ich habe also so viel gesprochen wie knapp neun Bücher.

Diese Zahl stimmt schon nicht mehr. Als ich den Screenshot machte, waren es 808.379. Achtzig Minuten später standen dort 809.827, weil ich in der Zwischenzeit über diesen Beitrag geredet habe. Beim Schreiben über das Reden sind mir 1.448 Wörter dazwischengekommen.

Bei den Bundesjugendspielen war ich immer die Langsame. Ich lief hinterher, ich warf den Ball ungefähr so weit, wie ich ihn fallen ließ. Jetzt bin ich in irgendetwas unter den schnellsten 0,7 Prozent, und der Bruder Code hat mir eine Urkunde ausgestellt. 😍

Ehrenurkunde fuer Sandra Dirks ueber 122 Woerter pro Minute, ausgestellt von Bruder Code.

Diese Urkunde hängt jetzt an meinem Kühlschrank. Vierzig Jahre habe ich darauf gewartet.

Der Preis: Bruder Kot

Das Ding versteht mich nicht immer. Es versteht mich sogar ziemlich oft falsch, und die Ergebnisse sind so gut, dass ich sie mittlerweile sammle.

Mein Mitarbeiter heißt in meinen Texten Bruder Code. Wispr Flow hat schon zweimal etwas anderes daraus gemacht.

Bruder KotBruder Code
Bruder KurtBruder Code
SuchenbrödelAschenbrödel
MünzkurHighscore
Android-ServerAnthropic-Server
BuchbindeBauchbinde
FischerstechenSchreibtischen
Welt ausgebenGeld ausgeben

Das Muster ist immer dasselbe. Betroffen sind die Eigennamen und die Fachbegriffe. Alles, was das Programm selten gehört hat, ersetzt es durch etwas, das es oft gehört hat. Aus Anthropic wird Android. Klingt ähnlich, kennt jeder.

Mein Lieblingsfall ist bis heute ungelöst. Eines Tages im Juli stand in meinem Text ein föhn-Workshop. Ich habe keine Ahnung mehr, was ich da gesagt habe. Flipchart-Workshop vermutlich, sicher bin ich mir nicht. Brude Code kann es auch nicht rekonstruieren.

Der Fall, der uns beide zweimal reingelegt hat

Ein Fehler war anders als die anderen. Der sah nämlich richtig aus.

Im Juli habe ich die sechs Kategorien meiner Kolumne diktiert. Was ankam:

Garten, Geschichten, Gegen den Wind, Gastfreundschaft, Genähtes und Geschmücktes

Was auf meiner Website steht:

Garn, Garten, Gegenden & Gastfreundschaft, Genähtes, Geschichten, Geschmücktes

Aus einer Kategorie hat Wispr zwei gemacht. „Gegenden“ wurde zu „Gegend“ und das Und-Zeichen wurde zu „Wind“, und Gastfreundschaft stand plötzlich für sich allein. „Garn“ ist ganz verschwunden.

Das ist die gefährliche Sorte. Ein zerknautschtes Wort springt einem ins Auge. Eine zusätzliche Zeile, die vollkommen plausibel aussieht, springt einem nicht ins Auge. Sechs Kategorien waren es auch vorher. Alle fangen mit G an. Passt.

Reingefallen sind wir beide, nacheinander, in verschiedene Richtungen. Erst hat mein Bruder Code die Kategorie für einen Diktatfehler gehalten, dann hat er sie Wochen später für echt erklärt, weil ja alles mit G anfängt. Aufgeklärt hat es am Ende ein Blick in die Datenbank.

Was ich daraus gelernt habe: Ein Werkzeug, das oft danebenliegt, kostet doppelt. Man misstraut irgendwann auch dem, was richtig ist.

Der Teil, den keiner schreibt

Am meisten gestört hat mich lange etwas ganz anderes als die falschen Wörter. Mein Satzbau sah furchtbar aus. Abgebrochene Sätze, Einschübe, Gedanken, die sich mittendrin drehen. Ich habe mich gefragt, ob das Ding mich verhunzt.

Es verhunzt mich nicht. Es schreibt mit, wie ich rede.

So reden alle. Gesprochene Sprache sieht schriftlich immer nach Katastrophe aus, niemand bekommt sie sonst zu sehen. Das ist derselbe Effekt wie beim eigenen Anrufbeantworter, den man auch keinem zeigen will.

Beweisen kann ich das sogar. Wispr sagt mir, welches Wort es am häufigsten korrigiert:

Wispr Flow Superlative: meistgesagtes Wort ich, meistkorrigiertes Wort und.

Das meistkorrigierte Wort ist „und“. Kein seltenes Wort, keine Fachvokabel, die häufigste Konjunktion der deutschen Sprache. Gesprochenes Deutsch reiht mit „und” aneinander. Geschriebenes tut das nicht. Genau an dieser Stelle räumt das Programm still hinter mir auf.

Lustig daran: In meinen eigenen Schreibregeln steht seit Ewigkeiten, dass Claude oder jede andere KI keine Sätze mit „Und“ anfangen soll. Mein Diktierprogramm hält sich also besser an meine Regeln als ich selbst.

Das meistgesagte Wort ist übrigens „ich“. Ich bin halt auch ein bisschen Egoistin. Wer jemandem etwas erzählt, sagt eben „ich“. Wer tippt, formuliert um.

Was wirklich hilft

Wispr Flow hat ein eigenes Wörterbuch. Dort trage ich Wörter ein, die es kennen soll, und es merkt sie sich. Von meinen 56.821 Korrekturen sind 12.806 aus diesem Wörterbuch gekommen. Fast ein Viertel.

Meine Liste hat inzwischen über hundert Einträge. Anthropic, Kadence, Bricolage, Newsreader, Higgsfield, Sandrinscher, Bauchbinde, strunzenlangweilig. Alles, was in meinem Alltag vorkommt und sonst nirgends.

Vier Verhörer habe ich absichtlich nicht eingetragen:

Gegen den Wind → GegendenIch segle.
Bach → MachBeides sind echte Namen.
Teilnahmen → DateinamenKommt bei Kursen ständig vor.
Fischerstechen → SchreibtischenSo heißt eines meiner Projekte.

Eine Ersetzungsregel ist blind. Sie greift immer, auch wenn ich das Wort genau so meine. Mit diesen vier Einträgen würde mir das Wörterbuch künftig die richtigen Sätze kapu“t”tmachen.

„Mach“ ist übrigens der Geburtsname meiner Mutter. Als Wort, das es kennen soll, steht er jetzt trotzdem drin. Einen solchen Namen findet kein Programm der Welt in seinen Trainingsdaten. Den kann ihm nur ich beibringen, und genau darum geht es bei diesem Wörterbuch.

Fertig ist solch eine Liste nie. Sie wächst mit. Im Dezember kommen die Weihnachtsthemen dazu, bei einem neuen Hobby die passenden Fachwörter. Bei mir stehen inzwischen Kettfaden und Schussfaden drin, dazu Marinekutterregatta und mein eigener Geburtsname. Wenn die beste Freundin heiratet und plötzlich einen Doppelnamen trägt, gehört der auch rein. Beim dritten Mal dann der Dreifachname.

Für wen das eher nichts ist

Ich spreche klares Hochdeutsch. Damit bin ich für diese Frage der schlechteste Zeuge, also habe ich nachgesehen, wie es bei Mundart aussieht.

Akzent und Dialekt sind zwei verschiedene Dinge. Bayerisch gefärbtes Hochdeutsch ist kaum ein Problem: gleiche Wörter, andere Klangfarbe. Echte Mundart hat eigene Wörter und eine eigene Grammatik.

Die Zahlen dazu kommen aus der Forschung zu Schweizerdeutsch, weil dort am meisten gemessen wird. Für Züritüütsch liegt die Fehlerquote bei nicht angepassten Modellen bei 77 Prozent. Drei von vier Wörtern gehen daneben. Schweizerdeutsch kommt mit großen Modellen auf rund 26 Prozent, nach gezieltem Nachtrainieren auf 13. Hochdeutsch liegt einstellig.

Nachlesen kannst du das im Seminarbericht zu Dialekten in der Spracherkennung und bei ApexAI, die Whisper für Schweizerdeutsch nachtrainiert haben.

Wer wirklich Mundart spricht, sollte das kostenlose Kontingent ausprobieren, bevor er zahlt.

Was es kostet

Kostenlos gibt es 2.000 Wörter pro Woche, ohne Kreditkarte. Bei mir hat das ungefähr eine Stunde gehalten. Zwei Wochen und ein Bonuskontingent von 30.000 Wörtern später habe ich bezahlt.

15,- € im Monat. Jährlich wäre es günstiger, ich bleibe trotzdem monatlich, aus reiner Gewohnheit. Auf meine 808.379 Wörter gerechnet sind das 7,4 Cent pro tausend Wörter.

Mein Fazit

Ich würde es einer Kollegin empfehlen, ja. Mit zwei Sätzen dazu.

Erstens: Rechne mit Quatsch. Lies jeden Text nach, bevor er rausgeht, besonders bei Namen und Fachbegriffen. Zweitens: Pflege das Wörterbuch von Anfang an, das ist der halbe Erfolg.

Was ich dafür bekomme, sind viereinhalb Monate, in denen ich angefangen habe, statt zu überlegen, ob ich anfange. 808.379 Wörter, die es sonst nicht gäbe. Die hätte ich nicht getippt, ehrlich nicht.

Hier kannst du Wispr Flow ausprobieren (Werbelink). Das ist mein Empfehlungslink. Du bekommst darüber einen Monat gratis, ich bekomme auch einen.

Nachtrag

Wispr hat mir gestern noch etwas verraten. Es hat mir ein Sprachprofil gegeben und mich „Blog-Architekt“ getauft. Meine Bestzeit ist Montag um 20 Uhr.

Sprachprofil von Wispr Flow mit der Einstufung Blog Architect.
Wispr Flow zeigt die produktivste Diktierzeit: Montag um 20 Uhr.

Das stimmt tatsächlich. Montags ist ein guter Tag für Blogbeiträge. Außerdem ist da nie was im Fernsehen und es ist auch noch kein Wäschekorb mit Wäsche zum Zusammenlegen da. Ja, ich bin über 50. Ich kenne noch ganz normales Fernsehen. Bis mir einfällt, dass man in irgendeine Serie schauen könnte, aber montags fällt mir das nicht ein. Was könnte es da also Schöneres geben, als ein bisschen vor dem PC herumzuhängen und zu bloggen? Ich liebe es!

Mein meistgesagter Satz ist laut Wispr dieser hier:

„Das ist genau das, was ich sage.“

Manchmal stimmt das sogar.

Mein Mann lag heute Abend im Halbdunkeln auf dem Sofa, als ich mit dieser Auswertung ankam. Bei den 800.000 Wörtern hat er einmal geschluckt. Bei den 122 pro Minute sagte er nur: „Das merke ich.“ Als ich dann noch mit meiner Ehrenurkunde wedelte, kam sein abschließendes Urteil:

„Zu viel Content.“

Wispr Flow rettet meine Texte. Meinem Mann rettet es den Feierabend. Stell dir vor, ich würde ihn stattdessen volllabern.

Vielleicht steckt da sogar ein Geschäftsmodell drin. Mein Mann könnte mir Wispr Flow zu Weihnachten schenken, im Bundle mit Claude. Er hätte am meisten davon. Steuerlich absetzen ließe es sich vermutlich obendrein, geschäftlich nutze ich beides. Weihnachten kommt ja immer so plötzlich.

Möglicherweise färbt das Ganze irgendwann auf mein Sprechen ab, statt umgekehrt. Dann rede ich bald in fertigen Absätzen und du merkst es nicht mal. Das ist etwas, was mich wirklich überrascht, denn ich hätte nie gedacht, dass Geschriebenes und gesprochenes Wort so enorm unterschiedlich sind.

Wie ist das bei dir? Schreibst du noch oder diktierst du schon? Welche Software verwendest du? Wenn du Wispr Flow verwendest: Seit wann nutzt du es? Schreib mir mal unten in die Kommentare, wie viele Wörter du schon diktiert hast. Battle Time! Dann will ich aber auch Beweise sehen. 😁☝️

Wir lesen uns im nächsten Blogbeitrag!

Gedruckte Signatur mit Logo von Sandra Dirks

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