Ich will auf die Bühne. Killerphrasen bleiben draußen.
Sonntagsgedanken:
In der Rubrik „Sonntagsgedanken“ schreibe ich über meine Sichtweise auf ein Thema oder über Erfahrungen, die meine Entwicklung beeinflusst haben. Heute geht es um die Bühne, auf die ich will, und um die eine Frage, die mich bisher davon abgehalten hat.
Vergangene Woche ging es ums Loslassen, also darum, dass ich der KI viel zu oft reinrede, statt sie einfach machen zu lassen. Heute kommt der zweite Teil, nämlich das, was ich mit all dieser Begeisterung eigentlich vorhabe, und das, was mich bisher davon abhält.
Der Hasenfuß heißt nicht Technik, er heißt Killerphrase
Was mich wirklich nervt, ist der Reflex. „Geht ja sowieso nicht, dürfen wir nicht, kann man bei uns nicht machen.“ Punkt, Ende, nächstes Thema. Die Frage, die mich antreibt, geht andersherum: Was müssen wir tun, damit es geht?
So wie: „Ich möchte in meinem Video ein schönes Lower Third, eine Bauchbinde mit meinem Namen, die auf eine ganz bestimmte Art unten hineingeführt wird.“ Dann frage ich so lange, bis es so aussieht wie vorgestellt. Oder annähernd. Oder ganz anders, aber viel cooler. Das hat nichts mit Meckern zu tun. Es kann doch nicht der Grund sein, diese ganzen Sachen zu stoppen oder nicht mitzugehen.
Jetzt kommt der Teil, den ich mir selbst lange nicht klargemacht habe.
Zwei Sorten Fragen, die gleich klingen
Es gibt die Frage, die wissen will. Sitzt bei jemandem, der wirklich anfangen möchte und dem sein Bauch sagt, dass er vorher noch etwas klären muss. Eine Personalerin, die haftet, wenn es schiefgeht. Eine Trainerin, die ihren Teilnehmenden in die Augen schauen will. Die fragt nach Datenschutz, weil sie es ernst meint.
Es gibt die andere Frage, die stoppen will. Klingt exakt gleich. Kommt aber von jemandem, dem keine Antwort je reicht, weil die Antwort gar nicht der Punkt ist. Der will, dass es aufhört.
Jahrelang habe ich beide in einen Topf geworfen und mich über beide geärgert. Dabei ist die erste Frau genau die, für die ich das alles mache.
Woran ich es inzwischen unterscheide: Die Frage, die wissen will, wird konkreter, wenn ich antworte. Die Frage, die stoppen will, wird größer.
Für die erste habe ich zwei Sätze parat. Ja, ich mache mir Gedanken, wo meine Daten landen. Ja, ich nutze das nicht für alles, und ich sage im Vortrag, wofür ich es nicht nutze. Danach reden wir weiter.
Für die zweite habe ich Zeit, die ich lieber anders verbringe.
Das kenne ich alles schon
Während ich das hier schreibe, geht mir auf, warum mich diese Abwehr so triggert. Ich habe ein Déjà-vu, und das will ich schneller loswerden als das schlechte Gefühl von damals.
2003 habe ich mein erstes interaktives Live-Online-Seminar erlebt. Ab 2010 hatte ich endlich die Möglichkeit, online richtig mit Menschen zu arbeiten. Bis Corona kam und die ganze Sache befreite, war das zäh. Selbst in der Goldgräberstimmung am Anfang, mit wunderbaren Leuten im Bootcamp, die Lust hatten und sich ordentlich reinhängten. Zum Ende des Corona-Jahres saßen immer noch welche da, die schlecht gelaunt waren, keinen Bock auf Online hatten und mauerten wie verrückt, mit pseudo-technischen Fragen. Manchmal dachte ich: Ja, du Zicke, wenn du nicht ständig sabotieren würdest, könnten wir endlich das tun, worauf ich Lust habe, und alle anderen in diesem Raum auch. Du stoppst, du störst!
Ich wollte den Menschen die Angst nehmen, um endlich meine Ideen unterzubringen. So richtig geglückt ist das nie, nicht, weil ich es nicht gekonnt hätte, sondern weil es wahnsinnig viel Energie kostet, gegen eine Mauer aus Stumpfsinn und Frechheit anzuarbeiten. Wie soll ich das Kreative, das Unterhaltsame, die guten Sachen aus der Tasche holen, wenn die ganze Zeit gemauert wird? Du hast eben nicht unendlich Zeit, die Leute mitzunehmen.
Genau dieselbe Mauer sehe ich jetzt bei der KI. Genau diese Mauer, die hält mich auch zurück.
Was mir damals gefehlt hat: die Unterscheidung. Im selben Raum saßen die Mauerbauerinnen und die Verunsicherten, und ich habe sie beide gleich behandelt. Das war mein Fehler, nicht ihrer.
Trotzdem will ich da raus
Dabei hätte ich richtig Bock, mit meinen Learnings rauszugehen. Keine Workshops, bewusst keine, sondern Vorträge. Auf eine Bühne gehen und erzählen, was man Tolles damit machen kann. Wie es uns helfen kann, KI nicht als Feindbild zu sehen, sondern als Einstieg, die eigene Zukunft zu gestalten. KI ist gekommen, um zu bleiben, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Vergangene Woche hat mir ein herrlich verrückter YouTuber aus der Seele gesprochen: Geh raus, halt Vorträge, bring deine Expertise unter die Leute. Daraufhin habe ich endlich gedacht: Ja, genau darauf hätte ich Bock.
Jedes Mal, wenn ich diesen Gedanken habe, melden sich zehn andere: Willst du das wirklich? Die sitzen doch alle mit schlechter Laune da. Was sagst du, wenn jemand fragt: „Wie sehen Sie das mit dem Datenschutz?“
Inzwischen sage ich: Gute Frage, hier ist mein Stand. Ich arbeite mit Bezahl-Accounts, bei denen meine Eingaben nicht ins Training wandern. Gesundheitsdaten und fremde Personendaten kippe ich da nicht rein. Alles, was ich zeige, habe ich selbst gemacht. Mehr habe ich nicht, und mehr verspreche ich auch nicht.
Wer eine juristische Bewertung benötigt, bekommt sie von jemand anderem. Das ist ein eigener Beruf, und es ist nicht meiner.
Was ich mitbringe, ist das andere: was es mir im Alltag gibt. Dass sich meine Kreativität endlich wieder freibuddelt.
Ich will dabei gar nicht die große KI-Expertin sein, das bin ich auch nicht. Ich bin eher Fangirl, im Fanclub der Claudes, Mitgliedsnummer eins, vermutlich. Genau deshalb reizt mich ein Thema, das polarisierender kaum sein könnte. Ich möchte Menschen ermutigen, einfach anzufangen.
Was es bei mir gibt und was nicht
Nach dem Vortrag beantworte ich alles, was weiterbringt. Wie geht das noch mal? Was genau hast du da gemacht? Wieso hast du so romantisch mit Claude geflirtet? Immer her damit, mit Freuden.
Was ich nicht mache: eine Stunde Grundsatzdebatte darüber, ob KI überhaupt sein darf. Die Frage ist erlaubt. Beantworten kann ich sie nicht, und die anderen im Raum sind dafür nicht gekommen. Wer diese Debatte will, findet Menschen, die sie besser führen als ich.
Ich bin es leid, dafür Energie zu verschwenden. Das Leben hat mir gerade in diesem Jahr wieder gezeigt, wie kurz es sein kann. Ich möchte sagen: So ist es heute, das ist der Stand, lasst uns schauen, was wir damit anfangen. Ohne naiv zu sein, klar muss man die Dinge grundsätzlich absichern. Auf alles andere habe ich keine Lust.
Ich sehe mich richtig vor mir: Ich gehe in einem schicken Outfit auf die Bühne, große Geste, viel Lust, viel Spaß und ja, auch Inhalt. Dann kommt diese eine Frage. Dieses Mal weiß ich, welche Sorte es ist.
Also: Falls du das hier liest und denkst, du würdest die Sandra gern mal für einen solchen Vortrag einladen, dann ja, unbedingt. Ich lasse mich dafür bezahlen. Du ahnst vielleicht, wofür ich spare: ein Haus am Ostseestrand, mit Pool und Doppelgarage.
Ich wünsche dir einen wunderschönen Sonntag.

