Und Tschüss! Brauchen wir Rituale zum Seminarabschluss? – Teil 1

Sandra Dirks - Und Tschüss! Brauchen wir Rituale zum Seminarabschluss? - Teil 1

Oder: Ein Plädoyer für einen guten Schluss

Eine Galerie zur Inspiration sollte es werden…

Für den neuen Flipchartkurs hatte ich mir vorgenommen, eine Galerie zu erstellen. Eine Galerie aus bisher weniger veröffentlichten Flipcharts. Ich habe da einen ganz schönen Fundus, der im Laufe der Jahre zusammengekommen ist.

Einige Bilder sind durch das Raster gefallen, weil ich sie selbst nicht mag, oder weil sich viel getan hat, in den letzten Jahren. Ich staune. In meinem Kurs–Curriculum habe ich drei Lektionen dafür bereitgestellt: Willkommens-Flipcharts, Agenda-Flipcharts und Abschluss-Flipcharts.

Ich war mir so sicher, dass ich dort in meinen Datenspeichern viel Material habe. Ja, das ist auch so. Ich habe eine stattliche Zahl an Willkommens-Flipcharts gefunden, ein erstaunliche Anzahl an Agenda-Flipcharts, und …. also …. und EIN EINZIGES Abschluss – Flipchart.

Ich war verwirrt. WTF!?

Warum habe ich nur dieses eine Flipchart?

Wo sind die anderen?

Ich ging weiter zurück in meiner Sammlung, aber ich wurde auch bei meinen Erstlingswerken nicht fündig. Ich dachte nach. Schaute mir die Sammlungen von Inhouse-Trainings an. NICHTS! Noch nicht einmal ein:

Gute Reise! oder VielenDank!

Nichts, gar nichts. Ich grübelte.

 

Warum ist da nichts?

Ich lief verzweifelt herumräumend durch die Wohnung -mache ich in so einem Fall- und rief: “DA IST NIX! Oh, Gott, da ist nix!”

Der Ehemann blickte irritiert vom Sofa auf: “Kaffee und Kuchen?” – “Abschluss-Flipchart! Keins da!”

Er konnte meine Bestürzung nicht so gut verstehen: “Ein Abschluss-Flipchart? Öhm, nun, ich wüsste nicht, wie ich ohne dies überleben könnte, in einem Seminar. Ja, also das ist wirklich ein Skandal!”

Würde meine Zielgruppe ohne dies überleben können? Hatten meine Teilnehmer im Seminar dies bisher überlebt? In diesem Moment war es eher die Frage, ob ich das irgendwann verarbeiten und mir verzeihen würde.

Das erste Mal dachte ich darüber nach. Hatte ich in meinen vielen Trainerausbildungen keine Vorbilder?
Hat da niemand je ein Flipchart zum Abschluss im Raum aufgehängt? Auch bei diesen weichgespülten Dings nicht? Ja, sowas habe ich natürlich auch durchlaufen. In der Comedy hätte man uns sicher eher von der Bühne geschubst, und “Friss oder stirb!” gerufen, oder: “Schwimm!”

 

Ich googelte nach: Abschluss Flipchart

Fand dabei meine eigenen Flipcharts, fast ausschließlich. Super Gag! Albrecht Kresse hatte irgendwann einen Lonesome Rider auf ein Flipchart gebracht. Coole Idee! Irgendwann kann ich auch Pferde zeichnen. Dann fragte ich mich, ob das Thema überhaupt eine Rolle spielt, wenn es doch niemand umsetzt, also Abschluss-Flipcharts, nicht Pferde zeichnen.

 

Meine Überzeugung: Ja, das Thema spielt eine Rolle!

Ein gutes Seminar oder Training besteht aus verschiedenen Phasen. Wie genau diese Phasen heißen, das hängt damit zusammen, aus welcher Trainerausbildung du kommst. Aber alle haben eins gemeinsam, sie haben alle einen Anfang, einen mittleren Teil und einen Schluss.

Für den Anfang ist es wichtig, ein gutes Ankommen zu ermöglichen, und Antworten auf die wichtigsten Fragen zu geben:

Wo ist was? Wie läuft das hier ab? Was kann ich hier lernen? Schaffe ich heute Abend meinen Zug?

Im Mittelteil geht es um das Aufnehmen, und wenn möglich Ausprobieren neuen Wissens.

Am Ende steht die Reflexion und ein runder Abschluss:

Welche meiner Lernziele sind heute erfüllt? Was werde ich mit dem Gelernten anstellen? Jipieeeh! Ich schaffe meinen Zug.

Also sind alle drei Teile des Seminars wichtig.

Wenn ich mir meine Trainerleitfäden anschaue, dann plane ich auch alle Phasen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter:

Ich plane meine Veranstaltungen im ersten Schritt immer von hinten. Ach?

Ja, das war mal ein Tipp von Claudia Linker

So habe ich mir angewöhnt, Erst einen Zeitplan aufzustellen, dann dann die letzte Arbeitseinheit zu planen, um dann von vorne weiter zu machen. Das hat sich sehr bewährt, nur eins habe ich nie in die letzte Spalte meiner Planung geschrieben: Abschluss – Flipchart erstellen.

 

Nun gibt es sicherlich Themen, die wichtiger sind in einem Seminar. Sicher?

Aber wenn wir einmal betrachten, welchen Stellenwert wir dem Anfang beimessen, dann ist das echt schon ganz schön unfair, dem Schluss gegenüber. Ich nehme mich da nicht aus.

Dabei hat der Schluss so viele wichtige Aufgaben:

  1. Letzte gemeinsame Reflexionsmöglichkeit vor der praktischen Umsetzung.
  2. Zusammenfassung des Gelernten.
  3. Letzte Chance zur Transferplanung
  4. Ausblick

 

1. Letzte gemeinsame Reflexionsmöglichkeit
Hier hast du die Gelegenheit zu erfahren, was die Teilnehmer mitnehmen. Du kannst noch mal kurz einzelne Themen herausgreifen, ein Wissensquiz veranstalten oder eine umfangreiche Wiederholungsübung anleiten.

2. Zusammenfassung des Gelernten
Hier nimmst du dir noch einmal die Zeit für eine intensive Zusammenfassung. Klar kannst du hier etwas präsentieren, aber toll ist, wenn die Teilnehmer auch aktiv etwas tun können. Mal ehrlich: Wer kann am Nachmittag eines intensiven Seminars noch wirklich gut zuhören?

3. Letzte Chance zur Transferplanung
Ups, bevor es ganz zu spät ist. Ich bin ein Fan der Transferplanung im Seminar von Anfang an. Au Backe! Das klingt nach Arbeit.

Mir geht es darum, dass die Teilnehmer während des gesamten Tages ihren Transfer schon im Blick haben.

Immer wieder gibt es kleine Übungen, die dabei helfen, das Gelernte in der zukünftigen PRaxis zu sehen. Das können sowohl Einzelaufgaben sein. Kleine Aufgaben in der Minigruppe, oder auch der Austausch von Transferideen im Plenum.

Über allem schwebt die Frage:

Was mache ich mit dem Gelernten?

Spätestens am Schluss sollte dazu eine Lerneinheit erfolgen. Meine Überzeugung ist zwar, dass das über den ganzen Tag erfolgen sollte, aber wenn du es vorher – aus irgendwelchen Gründen – nicht geschafft hast. Dann muss der Transfer unbedingt dort Platz finden.

4. Ausblick
In einer mehrteiligen Ausbildung kann der Ausblick ein Einblick in die nächste Runde, die nächste Veranstaltung sein. Du könntest eine vorbereitende Aufgabe anmoderieren.

Es kann auch ein Ausblick sein, wie dieses Seminar weiter begleitet wird, z.B. online. Es kann aber auch ein Ausblick sein, auf ungewöhnlich Einsatzmöglichkeiten der Lerninhalte.

Naja, und vielleicht ist dein Ausblick ja auch ein Ausblick auf zukünftige Veranstaltungen, die du in diesem Rahmen bewerben möchtest? 😉

Sandra Dirks - Und Tschüss! Brauchen wir Rituale zum Seminarabschluss? - Teil 1

Ui, da kommt ja jetzt doch ganz schön was zusammen, was mehr ist, als nur “Tschüß!”.

Der Schluss beginnt also schon viel eher. Jetzt fällt mir auf, dass viele Charts, die sich um den Schluss ranken, eher Aufgabencharts sind. Dennoch fehlt ein echtes Abschluss-Flipchart, eins das du an der Tür einfach [heimlich] entrollst, während deine Teilnehmer den Raum verlassen.

Kurz: Wer ein Willkommens-Flipchart erstellt, der sollte auch eins für den Schluss haben.

Ich schreibe mir das jetzt auch hinter die Ohren. Und wenn du hier jetzt ein Willkommens-Chart findest, dann werde ich dir dazu passend auch ein Abschluss-Chart präsentieren. Versprochen.

In der Überschrift steht Teil 1 – Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass ich dir gerne für die wichtigsten Aufgaben des Abschlusses in den nächsten Wochen ein paar Ideen hier vorstellen werde.

Wie ist das bei dir? Hast du jemals Flipcharts für den Abschluss erstellt? Wenn du mich auf Twitter markierst, unter dem Hashtag #AbschlussFlip, dann freue ich mich deine Werke zu sehen.

Gruß von Sandra Dirks

 

 

 

 

 

 

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Sandra Dirks

Hallo, ich bin Sandra! Ich blogge über Flipcharts, Facilitation & Zubehör, um dir Ideen zu liefern, für Seminare, Coaching & Alltag. Folge mir auf Instagram, Pinterest, und YouTube für mehr Inspiration!

Daniela Röding6 - 17. September 2017

Liebe Frau Dirks,
ich weiß gar nicht mehr wie ich Ihre Seite gefunden habe, auf jeden Fall bin ich fasziniert, dass Sie sich so mit der interessanten Flipchart-Gestaltung befassen. In meiner Zeit als Dozentin habe ich überwiegend mit PP-Präsentationen gearbeitet, bei denen ich immer auch eine Abschlussfolie erstellt habe. Die war mir aus irgendeinem Grund besonders wichtig, es war ein „Zeichen“ für die Teilnehmer wieder einen Abschnitt geschafft zu haben. Seit einiger Zeit gebe ich überwiegend Entspannungskurse und arbeite dort, weil es keine anderen Möglichkeiten gibt, mit dem Flipchart. Liebend gerne sogar, aber eben meist nur mit Text, mal eine einfache Skizze wie eine Waage usw. Meine Fähigkeiten diesbezüglich sind sehr untertalentiert. Aber auch bei der Nutzung des Flipcharts, gab es jeweils eine Willkommensseite und eine folgende, die den Kursinhalt im Überblick hatte sowie im Anschluss eine „Ausblickseite“ auf die nächste Stunde und eine Verabschiedung, wie in etwa: „Schön, dass Sie da waren, bis zur nächsten Stunde“… Am Ende eines Blockkurses war dann im Schlussteil noch eine „Feedbackseite“ dabei, sicherlich bekannt, wie „Das Gelbe vom Ei“ oder die Auswertung des „Baumes der Erwartungen“, den man am Anfang des Kurses schon einmal mit entsprechenden „Blättern“ mit den Erwartungen der TN geschmückt hatte. Ich arbeite in den Entspannungskursen gern mit Flipchart, weil ich den TN auch gern die entsprechenden Informationen liefern möchte, wer hats erfunden, warum wirkt es, was haben die und diese Formeln, z.B. beim Autogenen Training mit Entspannung zu tun, oder was kann jeder tun, um auch dabei zu bleiben. Jedenfalls freue ich mich sehr über ihre tollen Flipchartvarianten und habe zumindest schon einmal begonnen mit Umrahmungen und Schattierungen zu arbeiten. Auch die Tipps aus dem Minikurs mit den Stiften waren sehr aufschlussreich und welche Schriftfarbe usw. Ich habe mir auch gleich ein eigenes Set Stifte besorgt, denn, ich musste lachen, es ist tatsächlich so: das was vorhanden ist, ist meist schon fast leer oder ausgefranst usw.
Also vielen Dank für Ihre Arbeit und machen Sie weiter so 🙂

Herzliche Grüße Daniela R.

    Sandra Dirks - 21. September 2017

    Liebe Daniela,

    ganz lieben Dank für Ihren wunderbaren Kommentar. Das freut mich sehr.
    Ich kann mir das Flipchart gerade für Ihre Themen auch sehr gut vorstellen. Da muss man dann nicht mit Beamer und Kabel herumhantieren. Das macht schon mal alles einen sehr viel entspannteren Eindruck.
    Ich möchte aber nicht lesen, dass Ihre Fähigkeiten beim Zeichnen untertalentiert sind! 🙂 Mit ein paar Tricks passt das alles schon. Außerdem macht das auch sympathisch, wenn sich auf dem Blatt ein leicht nachvollziehbares Bild zum Thema entwickelt, wie z.B. eine kleine Waage. So fängt das an. Das macht ein bisschen süchtig, und schon werden Sie mutiger. Umrahmungen und Schattierungen sind ein toller Anfang. Irre, was man damit schon erreicht.
    Ich freue mich, wenn ich Sie hier auch weiterhin inspirieren kann.

    Herzliche Grüße
    Sandra Dirks

      Daniela R. - 22. September 2017

      Herzlichen Dank liebe Sandra, für Ihre Ermutigung 🙂 Tatsächlich hatte ich auch den Einsatz eines Beamers in den Entspannungskursen überlegt, aber ganz schnell fiel mir ein, dass die Kabelei schon ungemütlich wirkt, dazu dann das Rauschen der Geräte und das Ganze auf – und abzubauen…ich hab es mir ganz schnell anders überlegt 😉 Für eine Stunde Kurs jeweils ist es einfach zuviel Aufwand. Flipchart ist dafür ideal. Und ich hoffe, dass sich meine Schrift und auch das Zeichentalent noch entwickelt 😉 Aber hier bei Ihnen kann ich mir ja allerlei „abschauen“ 😉 Liebe Grüße, Daniela Röding

Martina Thum - 15. September 2017

Hallo Frau Dirks,

ich habe da auch schon oft drüber nachgedacht.
Ich mache für mich große Unterschiede je nach Seminarform. Bei eintägigen/zweitägigen Veranstaltungen gibt es oft ein „Ernte“-Flipchart (oder auch mal den Cocktail (inspiriert durch Ihren „Seminar Cocktail 🙂 ), was nach allen Regeln der Kunst feiert, was über den Tag erreicht wurde.

Bei diesen Bildern stellt sich oft bei den Teilnehmer eine gewissen Ehrfurcht vor dem selbst Erlernten ein. In diese Stimmung hinein verabschiede ich mich dann rein mündlich ohne Extra „Tschüss-Flipchart“, weil ein solches aus meiner Sicht das „Wow-Gefühl“ schmälern würde.

Anders ist das bei Veranstaltungen, die über längere Zeit laufen und man diese Ernten und Selbstreflektionen unterwegs immer wieder eingeübt und institutionalisiert hat, da inszeniere ich auch die Verabschiedung auf Papier, nicht nur meine von der Gruppe sondern auch die der Gruppe voneinander.

Herzliche Grüße

Martina Thum

    Sandra Dirks - 21. September 2017

    Hallo Frau Thum,

    ah, das klingt gut. Ja, da ist etwas dran. So ein Ernte-Flipchart hatte ich bei meinen ersten Überlegungen gar nicht auf dem Schirm. Stimmt! Das ist ja im Grunde ein Abschluss-Flipchart. Ich setze diese Flipcharts auch sehr gerne ein. Tse, DAS ist sicher der Grund, warum ich da nichts weiter gefunden habe. 🙂
    Ganz, ganz lieben Dank für diesen Impuls, auch wenn ich trotzdem zukünftig mal schauen werde, was es dabei noch so zu entdecken gibt.

    Herzliche Grüße
    Sandra Dirks

Nora - 14. September 2017

Toller Artikel, das Drama der fehlenden Abschluss-Flipcharts wird offensichtlich 😉
Gerade plane ich leider keine eigenen Workshops, aber sicherlich eine tolle Möglichkeit, auch noch den Schluss zu personalisieren und in der Erinnerung der Teilnehmer zu bleiben. Ein Abschluss-Flipchart habe ich bisher noch nicht erstellt, warte aber gespannt auf deine Ideen in den nächsten Wochen 🙂

    Sandra Dirks - 21. September 2017

    Liebe Nora,
    vielen Dank, das freut mich. Ja, das Drama zeigt sich. Aber ich sehe auch, z.B. in den anderen Kommentaren, dass das reine Abschluss-Chart vielleicht gar nicht so schmerzlich vermist wird, wenn der Abschluss ein Ergebnis-Chart ist. Haha! Aber ich werde trotzdem meine Ideenmaschine im Kopf anwerfen. Jetzt ist der Ehrgeiz geweckt. 🙂
    Liebe Grüße
    Sandra

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