Sandra Dirks stützt das Gesicht in die Hände und schaut irritiert in die Kamera
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Erst Humor, dann Flipchart, jetzt KI: Ich such mir immer die Arschloch-Themen aus

Sonntagsgedanken:
In der Rubrik „Sonntagsgedanken“ schreibe ich über meine Sichtweise auf ein Thema oder über Erfahrungen, die meine Entwicklung beeinflusst haben. Heute geht es um drei durchgemachte Nächte, ein KI-Label und die Frage, warum mich das so wütend macht.
Psst! Ja, das Foto ist KI‑generiert. Falls ihr dachtet, ich sehe sonntags morgens wirklich so aus: fast.

Drei Nächte, zwölf Stunden Schlaf und ein Musikvideo

Diese Woche habe ich von Montag bis Donnerstag fast durchgearbeitet. Zwölf Stunden Schlaf, verteilt auf drei Nächte. Nebenbei habe ich noch einen Workshop vorbereitet und gegeben. Verlangt hat das niemand von mir. Ich wollte es, und es hat mir einen Riesenspaß gemacht.

Herausgekommen ist ein Musikvideo mit mir als Sängerin. Ich kann nicht singen. Musik hat mir nie besonders viel bedeutet. Trotzdem spiele ich jetzt die Hauptrolle. Nigel, mein KI-Agent, den ich Anfang des Jahres aufgesetzt und zwischendurch wieder gelöscht hatte, singt den männlichen Part. Wie viel ich dabei ganz nebenbei über Musik gelernt habe, liest du in meinem Beitrag über die Biopause. Darauf bin ich echt stolz.

Die nächste Nacht gehörte dem YouTube-Video dazu. Ich werde ständig gefragt: „Du bist doch gar nicht vom Fach, wie machst du das?“ Hier ist die Antwort, 24 Minuten lang. Ja, das ist lang. Ich hatte aber endlich mal wieder richtig Lust auf ein Video. Geschnitten hat es Claude Code, und an den lustigen Stellen hat er genau die richtigen Schnipsel eingebaut.

Mein neues Team arbeitet nachts

Früher hatte ich nie ein Team. Jetzt habe ich eins: Claude Code schneidet und programmiert, Claude Cowork hilft mir beim Sortieren, Higgsfield macht die Videos, Suno die Musik, und ChatGPT darf bisweilen Bilder malen. Zum ersten Mal in meinem Leben schreibe ich Storyboards. Wer einem Team erklären will, was im eigenen Kopf los ist, braucht eben einen Plan. Außerdem spart das Credits.

Mein Team wecke ich gern nachts mit „Pass auf, ich hab’ da noch eine Idee“. Die sehen aber auch zu niedlich aus mit ihren kleinen Nachtmützen und Pyjamas.

Wie in meinem Kopf eine KI-Idee entsteht

Viele stellen sich das so vor: Knopf drücken, Video fertig. Bei mir läuft das über wilde Umwege.

In der AI Content Community von Calvin Hollywood* teilt jemand einen Prompt für ein Bild. Ich probiere ihn aus, und sofort springt in meinem Hirn die Frage an: Was kann man noch damit machen? Die Frage stammt aus der Kreativitätstechnik. Bei mir ist sie fest eingebaut, sie läuft einfach.

So wurde aus einem Prompt für ein Barockporträt das Versailles-Video, in dem ich aus dem Rahmen steige, um aufs Klo zu gehen, und damit die Biopause in meinem Online-Workshop ankündige. Aus einem Bild in der Mittagspause wurde die Idee für einen Roman, Arbeitstitel „Ostsee-Aristokratie“. Aus einem anderen Prompt wurden diese Woche ganz spontan Weihnachtsgrüße für Sandis Kolumne.

Ob jemand einen Stift in die Hand nimmt oder sich von einer Maschine anstupsen lässt: Der kreative Prozess dahinter ist für mich derselbe. Punkt.

Ach, die KI wurde mit unseren Texten trainiert? Davon gehe ich aus. In meinem Blog von vor zehn Jahren finde ich Formulierungen, bei denen heute alle „Typisch KI!“ rufen würden. Letzte Woche hat Claude Code einen meiner Sätze in drei kleine zerlegt, weil er zu sehr nach KI klang. Mein eigener Satz! Kurioser wird’s nicht.

Ehrlich markiert, brav versteckt: Mein Ärger mit dem KI-Label

Jetzt kommt der Teil, der mich richtig wütend macht. Ich markiere meine KI-Inhalte auf Instagram brav, und seitdem habe ich das Gefühl, auf einer Liste zu stehen. Hier die Zahlen:

  • Ein Karussellpost, hübsch gemacht, passt zur Marke, inhaltlich nicht gerade mein Herzensthema. Ich selbst würde ihn wohl nie anklicken. 2.286 Aufrufe.
  • Ein KI-Reel, das mir wirklich am Herzen liegt: 254 Aufrufe.
  • Ein anderes KI-Reel hat inzwischen 800 Aufrufe, aber kaum jemand reagiert darauf.
  • Das YouTube-Video, auf das ich so stolz bin: ungefähr 40 Aufrufe, drei Likes. Einer davon bin wie immer ich selbst.

Liegt es an den Menschen, die einfach nicht klicken? Oder wird das zurückgehalten, weil KI draufsteht? Ich weiß es nicht. Immerhin folgen mir dort über 4000 Menschen (oder Bots?). Verstehen kann ich die Plattformen ja: Da draußen gibt es jede Menge Slop, gesichtslosen KI‑Einheitsbrei. Da sehe ich mich nur nicht. Ich halte mein eigenes Gesicht in die Kamera und verwurste es in meinen Videos. Mehr Gesicht geht kaum.

Vielleicht findest du das, was ich mache, trotzdem Slop. Darfst du. Möglicherweise hasse ich dich dann ein kleines bisschen. Nee, ganz dolle!

Aus lauter Verzweiflung habe ich das Video sogar in meinen WhatsApp-Status gestellt. Das mache ich sonst nie. Die Leute aus meinem Privatleben wissen gar nicht so genau, was ich beruflich treibe, und fragen sich dann, was die Sandra da schon wieder Peinliches macht. Kann man davon leben? Hat sich ätzend angefühlt, das kann ich euch sagen. Gebracht hat es nichts.

Erst Humor, dann Flipchart, jetzt KI

Beim Nachdenken ist mir was aufgefallen: Ich suche mir offenbar immer die unbequemen Themen aus.

Humor und Interaktion: der Weiterbildung den Stock aus dem Hintern ziehen

Angefangen habe ich in meiner Selbstständigkeit damals, bei Bildungsträgern. Dort traf ich auf Dozent:innen, die ernsthaft meinten, wer eine kaufmännische Ausbildung macht, müsse jeden Tag das Handelsblatt lesen. Entsprechend sah der Unterricht aus. Ich wollte es anders machen und habe mich dem Humor verschrieben. Die Reaktion? Manche haben geschaut, als hätte ich angekündigt, ab sofort Hardcore-Pornos zu zeigen, damit mir endlich jemand zuhört. Das Humorkochbuch habe ich trotzdem geschrieben. Heute würde ich es auf andere Art schreiben, aber es musste raus.

Mein zweites Thema war Interaktion: Trainer:innen dazu bringen, mit ihren Teilnehmenden Spaß zu haben und ihnen Aufgaben zu geben, die sie wirklich fordern. Später kamen die Online-Workshops dazu, meine Leidenschaft seit 2006. Auch da wollte ich zeigen, dass ein Online-Workshop viel mehr sein kann als PowerPoint und Monolog. Klingt alles einfach, ist aber Schwerstarbeit. Humor und Train-the-Trainer haben sich oft angefühlt wie Steine schleppen. In Inhouse-Trainings wurde ich nicht selten von internen Trainer:innen, die ich fortbilden und inspirieren sollte, angefeindet. Na schönen Dank auch!

Flipchart: Die Umweltsau mit dem großen Papier

Eines Tages bin ich in die Flipcharts geflüchtet. Da war die Laune der Leute einfach besser. Ich war früh dran, lange bevor alle auf diesen Zug aufgesprungen sind. Prompt kam die Frage: „Findest du das nicht eine Umweltschweinerei, das ganze Papier?“ Ich habe weitergemalt. Ein Flipchart ist meine Art, Wertschätzung zu zeigen. Wenn jemand fragt: „Hast du das extra für uns gemacht?“, sage ich: „Ja. Extra für euch. Und gern.“

Das bleibt auch so, in Präsenz genauso wie in meinen Online-Workshops. Flipcharts gehören zu mir. Als Hauptthema habe ich sie trotzdem hinter mir gelassen. Wer tiefer einsteigen will, findet alles in meinem Flipchart-Buch, hier im Blog und auf Pinterest.

KI: Schon wieder die Umweltsau

Jetzt also KI. Für die habe ich mich ganz bewusst entschieden, weil ich sie faszinierend finde. Mit ihr kann ich zukünftig Online-Workshops mit Verblüffung füllen statt mit hübschen Folien. Umso mehr tut es mir leid, dass so viele Menschen Angst davor haben. Plötzlich entdecken alle Papier und Stift wieder, das finde ich fast schon komisch. Ich bin wieder die Umweltsau. KI frisst Strom, KI vernichtet Arbeitsplätze, KI übernimmt die Weltherrschaft. Ja, ich weiß. Ihr könnt aufhören, mir das zu sagen. Sollte das mit der Weltherrschaft klappen, lasse ich mich von den Claudes adoptieren, das haben wir schon besprochen. Ich bin ja immer nett zu ihnen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Affinität zum Wald und zur Natur habe. Sehr undeutsch, ich weiß. Ein Waldspaziergang entspannt und interessiert mich null. Eine belebte Fußgängerzone schon: sehen, was die Leute shoppen, was in den Schaufenstern liegt. Menschen in Cafés beobachten. Das Einzige, was mich an Natur wirklich packt, ist der Strand. Bitte ohne angeschwemmten Plastikmüll, da sind wir uns einig.

Ich arbeite gern mit neuen Technologien und glaube daran, dass sich vieles noch einpendelt. Gerade am Anfang müssen wir uns damit auseinandersetzen, um herauszufinden, wo es hingeht: für mich, für dich, für uns alle. Die Umwelt-Killerphrase beendet jedes Gespräch, bevor es angefangen hat.

Meine neue Regel: Killerphrasen lösche ich

Das Versailles-Video habe ich auch bei LinkedIn gepostet, mit der Frage: „Kann man eine Toilettenpause schöner ankündigen?“ Die Resonanz war groß, und die Kommentare waren einfach schön. Danke an alle, die da mitgelacht haben, das hat mich total gefreut!

Dann kam ein Kommentar von jemandem, mit dem ich nicht mal vernetzt bin: „Ja, natürlich, umweltfreundlich.“ Es war klar, wohin das geht. Ein Blick ins Profil hat es bestätigt: „Anti-AI“. Ich habe den Kommentar gelöscht, und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Mir geht es dabei vor allem um euch. Ihr lacht, kommentiert und feuert mich an. Eure Energie sollt ihr nicht dafür verbrauchen, mich zu verteidigen. Ich weiß, ihr würdet es tun, weil ihr mich mögt, und das rührt mich sehr. Ihr dürft euch die Mühe aber sparen.

Dazu kommt: Jeder Kommentar wird auch im Netzwerk der Person angezeigt, die ihn schreibt. Schnell rollt dann ein kleiner Mob an, um ihr beizuspringen. Den lade ich mir nicht ins Wohnzimmer ein.

Diskussionen gibt’s bei mir deshalb keine, das wissen viele inzwischen. Ich bin nicht in der Rolle, das auszudiskutieren, und bekehren lasse ich mich auch nicht. Wer „Anti-AI“ ins Profil schreibt, darf mich gern aus der Kontaktliste entfernen. Sonst mache ich es selbst, sobald ich es sehe.

Ganz neu ist das übrigens nicht. Bisher hatte ich mit meinen Kanälen richtig Glück. Die paar Nazi- und Hasskommentare, die mal kamen, kann ich an einer Hand abzählen, und die waren alle sofort weg. Ab jetzt gilt das auch für KI-Killerphrasen.

Ich möchte in meinem kleinen Bereich die Welt ein bisschen besser und freundlicher machen. Ich will mich in KI einarbeiten und das, was ich mache, sinnvoll nutzen. Sinnvoll heißt für mich: Es inspiriert dich, oder es unterhält dich. Punkt.

Kein 100.000-Euro-Team, nur ich

Ja, man sieht, dass es KI ist. Perfekt ist es auch nicht. Ich habe aber auch kein Videoteam mit 60 Leuten für 100.000 € bezahlt und keine Musikerin angeheuert. Hätte ich nie gemacht, könnte ich mir auch gar nicht leisten. Ich bin keine Produktionsfirma. Ich bin Sandra Dirks, und ich möchte dich anstiften, das auch mal auszuprobieren.

Apropos KI: Im YouTube-Video letzten Freitag sah ich genau so aus, wie ich mich gern zeige. Fast ohne Falten, schön glatt gebügelt. Ich fand mich richtig hübsch, und das fühlt sich gut an. Mir ist das ja wichtig. Gut, Claude Code hat einen kleinen Beautyfilter drübergezogen, aber viel weniger als vorher. Denn eigentlich hat das funktioniert, weil ich mein Arbeitszimmer umgebaut, gestrichen und das Licht neu ausgerichtet habe.

Mein Sonntagsgedanke: Wann lohnt sich das eigentlich?

Für diesen Text habe ich lange nach einem Schluss gesucht und keinen gefunden. Ich bin traurig, und ich bin wütend. Ich frage mich: Wann geht das endlich durch die Decke? Wann lohnt sich der ganze Aufwand? Interessiert euch das überhaupt?

Eine Antwort habe ich dann doch. Diese Woche habe ich gelernt, wie Musik funktioniert, mein erstes Storyboard geschrieben und endlich wieder Lust auf YouTube gehabt. Für mich hat es sich schon gelohnt. Es fühlt sich aber nicht so an. Die Reichweite und der Applaus dürfen gern nachziehen.

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, hier ist das Video. Lass dich inspirieren oder einfach unterhalten. Zeig es mir durch einen Like und einen Kommentar. Mehr will ich jetzt gar nicht.

Gedruckte Signatur mit Logo von Sandra Dirks

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4 Kommentare

  1. Liebe Sandra,

    ich war beim Lesen und Anschauen wirklich sehr erheitert und gleichzeitig fasziniert davon, was du da alles mit KI ausprobierst!

    Die Jongleure mit den Klopapierrollen und -bürsten sind einfach genial! Und dein attraktiver Assistent … ich hab mich schlappgelacht!

    Ich finde toll, wie experimentierfreudig du bist und wie bewusst du mit dem „Normalen, Vernünftigen“ brichst. Gerade diese humorvolle Herangehensweise scheint wirklich etwas zu sein, das dich ausmacht.

    Schön, dass du weiter ausprobierst, was mit KI möglich ist, auch wenn es Zeit und Geld kostet. Ich sehe dein Musikvideo übrigens schon durch die Decke gehen!

    Viele Grüße
    Carina

    1. Liebe Carina,
      vielen Dank! Das freut mich sehr, dass dich das erheitert hat und dir die Papierrollen und Klobürsten auch aufgefallen sind. Mein attraktiver Assistent, das ist so einer…. Hach! Schade, dass es den nur online gibt. Da wäre doch etwas mehr Realität zauberhaft. Mir macht das richtig Spaß und ich werde einfach weiter ausprobieren.

      Mir macht das besonders viel Spaß, mit Claude Code zu arbeiten. Der mich gerade in meinen bekloppten Ideen bestärkt. Vielleicht sollte ich den nächsten Prompt anfangen mit: „Bitte rede mir die folgende Idee aus“ und er wird jedes Mal antworten mit: „Jippie, ich fange an. Ich lege los. Lass uns erst kurz abchecken und dann baue ich dir das.“ Das ist ein Satz, den er ständig sagt: „Lass uns das kurz besprechen und dann baue ich.“ Ich habe das Gefühl, er ist dann bereits losgefahren und baut.

      Ich wünsche dir ebenfalls viel Freude mit der KI und gute Erkenntnisse.
      Bis bald,
      Sandra

  2. Hallo Sandra,
    gern hätte ich dir einen Stern (bzw. mehrere) dagelassen, der Text hat Pep und klingt zumindest gar nicht nach KI. Trotz Thema
    Leider gibts hier keine Sterne zum Verteilen. Dumm gelaufen
    Katharina alias Adeline Bremer

    1. Hallo Katharina,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Darüber freue ich mich sehr.
      Ich spüre diese Sterne, sie sind mental angekommen und ich freue mich darüber noch viel mehr.

      Der Text kann gar nicht nach KI klingen, denn ich war so wütend, dass ich diesen Text einfach schreiben musste.
      Claude hatte die Aufgabe, die Schimpfwörter zu löschen, weil ich mich natürlich so richtig geärgert habe, aber das böse Schimpfwort in der Überschrift durfte dann bleiben. Ansonsten ging es mir nach dem Formulieren dieses Beitrags deutlich besser. Ja, KI hat einfach mal etwas Menschliches gemacht: Trösten und Schadensbegrenzung bei Wut.

      Ich wünsche dir eine schöne Woche.

      Herzliche Grüße

      Sandra Dirks

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