Links Sandra Dirks als Foto, rechts ihre kleine Videofigur Sandrinscher auf einem Schreibtisch mit Kaffeebecher, Büchern und Kugelschreiber

Small but mighty: Warum es Sandrinscher gibt

Vergangene Woche habe ich im Loveletter versprochen, die Geschichte der kleinen Figur zu erzählen, die dir auf meiner Website begegnet. Hier ist sie. Sie ist länger geworden, als ich dachte. Sie ist auch älter, als ich dachte, im echten Leben: fünfzehn Jahre.

Alles fing in der Mittagspause an

Angefangen hat alles mit einem Prompt aus Calvin Hollywoods Community. Wer sich dort anmeldet, findet eine Prompt-Bibliothek, inzwischen mit rund 120 Bild- und Videoprompts. Dabei kommen ziemlich coole Sachen raus. Oder totaler Schrott. Alles ist möglich.

Ich mache das mittlerweile so: In der Mittagspause schaue ich mir an, welche Prompts gerade durch die Community geistern, und probiere sie aus. Das Krasse daran: Dabei kommen mir Ideen für alles Mögliche. Über einen Makro-Prompt zum Thema Tiere bin ich neulich auf ein völlig irres Bild gekommen, das mich gleichzeitig zu unserer neuen Küche und zu einer mindestens zehnteiligen Romanserie inspiriert. Ich rede seitdem von meiner Ostsee-Aristokratie. Völlig verrückt. Manchmal ist es ein Video, dann teile ich es in der Community. Da ist man unter Gleichgesinnten, es wird gefachsimpelt, jemand fragt, was man noch optimieren kann. Ich finde das richtig cool.

Als Ausgangsmaterial nehme ich immer Bilder von mir. Die darf ich benutzen, die Erlaubnis erteile ich mir selbst. Was rauskommt, landet auf der Website, im Marketing oder bleibt einfach just for fun in meinem Giftschrank.

Hier findest du Calvin Hollywoods Community (Werbelink). Das ist mein Empfehlungslink: Meldest du dich darüber an, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

„Das ist nur ein Testprompt.“

Dann war da dieser Tag des Mini-Me. Ein Prompt aus der Bibliothek: Mini-Me-Charakter, inspiriert vom 3D-Look von Pixar, detailliert, aber realistisch und cinematic. Ich habe ihn abgesetzt, mit einem Bild von mir als Vorlage, das ich ein paar Tage vorher gebaut hatte. „Das ist die Vorlage. Mach mir das Mini-Me.“

Womit? Ich liebe Claude, aber Claude kann keine Bilder. Der macht dafür andere Sachen cool: Er setzt die Bilder hinterher ein, programmiert und unterstützt, was das Zeug hält. Bilder macht ChatGPT. Seit der Bildversion 2.0, jetzt sogar 2.5, macht ChatGPT das richtig gut. Ich bin kein ChatGPT-Fan, in dieser Hinsicht muss ich aber sagen: Dafür lohnt sich das Abo für 20 Dollar. Klar geht das auch mit anderen Diensten. Higgsfield zum Beispiel hat inzwischen alle Bild- und Videomodelle unter einem Dach. Für die Prompts aus der Community nehme ich trotzdem ChatGPT. Der kennt mich schon eine Weile, vielleicht sind die Ergebnisse deshalb anders.

Der erste Versuch war furchtbar. Ich muss das hier teilen, es gehört zur Geschichte, und wir gehen offen miteinander um.

Erster Mini-Me-Versuch: kleine Figur im dunkelblauen Kleid mit schwarzen Pumps auf einem Schreibtisch, neben ihr ein Becher Small but mighty

Eine kleine Hutzeloma. Im Kleid. Ich habe ChatGPT angeschimpft, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass er aus mir so ein hässliches, altbackenes Mini-Me macht. Also habe ich gesagt: Ich trage lieber Jeans.

Zweiter Versuch: die Figur in enger, hochgekrempelter Jeans und schwarzen Pumps mit Kaffeebecher auf dem Schreibtisch

Schon moderner. Trotzdem bin ich das nicht, weil ich nie so eine Jeans tragen würde. Wegen meines Lipödems trage ich immer eine weite Hose, im Grunde immer eine Marlene-Hose, eine Hippie-Hose. Für die Figur, die zu dem Zeitpunkt noch keinen Namen hatte, habe ich also eine Hippie-Jeans bestellt. Dazu gab es gleich Hippie-Sandalen geliefert.

Die Ur-Figur Sandrinscher: dunkelblaue Bluse, weite Jeans, Sandalen, Kaffeebecher Small but mighty, auf einem Schreibtisch zwischen Büchern

Was da herauskam, hat mich verblüfft. Ich war sofort schockverliebt. Ja, ich gebe zu, ein bisschen Selbstliebe gehört in solch eine Sache mit hinein. Die Figur verkörperte plötzlich genau das, wie ich mich sah. Wie ich mich sehe. Wie ich mich gern sehen möchte. Mein Gott, ist die süß.

In dem Moment war die Idee klar, die schon so lange in meinem Kopf herumgeisterte. Seit fünfzehn Jahren wollte ich eine solche Figur haben. Am Anfang wollte ich sie selbst zeichnen und dann animieren, über Ebenen in Photoshop, über Animationsprogramme mit Motion Capture. Ein Riesenaufwand. Ich habe es ausprobiert, ich bin ein Stück weiter gekommen, und dann war klar: Der Aufwand wäre unmenschlich, und es ist nicht mein Hauptgeschäft. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die das können. Wenn du dann aber so eine Pixar-Vorlage in der Hand hast, denkst du sofort: Ich bin Pixar. Ich kann damit arbeiten.

Der nächste Gedanke war der Trenchcoat, weil ich der Figur schon immer einen Trenchcoat anziehen wollte. Dann stand sie an einer Strandpromenade.

Sandrinscher im beigen Trenchcoat mit Kaffeebecher an einer Strandpromenade im Abendlicht, die Beine etwas zu lang

Hier sind die Beine etwas zu lang, die Niedlichkeit der ersten Figur geht verloren. Größerer Kopf, kleinerer Körper, und sie muss sich in einer Welt bewegen, die wesentlich größer ist als sie: Das macht die Niedlichkeit aus. Am Anfang ist das Trial and Error, mit jeder Runde werden die Beschreibungen präziser.

Der Abend, an dem sie sich bewegte

Dann konnte ich meine Neugier nicht zügeln. Ich wollte wissen, was passiert, wenn ich die kleine Blaue in Canva werfe. Canva macht in der Pro-Version aus Bildern Fünf-Sekunden-Videos. Ich hatte damit schon zu Ostern herumexperimentiert. Manchmal kam etwas Gutes dabei heraus, manchmal totale Grütze.

Dann habe ich die Figur animiert. Ich bin vor noch mehr Liebe fast ohnmächtig geworden. Alter, wie süß ist das denn? Wie die sich bewegt. Wie flüssig die sich bewegt. Ich habe weiter probiert und mein komplettes KI-Budget für diesen Abend verballert. Zwischendurch musste ich drei, manchmal fünf Minuten warten, bis ich das nächste Video generieren durfte. Du kannst dir vorstellen, wie lang dieser Abend war.

Erst wurde daraus ein Minifilm aus drei Clips. Den habe ich in meinen WhatsApp-Status gestellt. „Oh, wie süß ist das denn.“ Damit nicht genug. Am Ende des Abends hatte ich ein Video von fünfzig Sekunden, geschnitten aus lauter Fünf-Sekunden-Stücken, Musik dahinter, und sie bewegte sich einfach so. Wieder in den Status. Das war WOW. Absolute Begeisterung. Freundinnen und Familie haben mich in der Figur erkannt. Für meine Mutter ist es seitdem keine Figur, die da herumturnt. Das bin ich, nur besser frisiert: „Heute liegen deine Haare aber gar nicht gut. Guck mal, die Kleine, die hat ihre Haare immer schön.“ So geht das jetzt.

Dann kam die erste Frage: „Wie macht man das? Wo hast du das reingetan?“ Ich habe gesagt: Du, ich habe einen Prompt genommen. Das stimmt, und es stimmt auch nicht. Dazu gleich mehr.

Der Name

Meine Freundin Sabrina nennt mich Sandrinscher. Sie darf das, weil ich sie Sabrinscher nenne. Für alle anderen bin ich nicht Sandrinscher. Für die Figur fand ich den Namen genau richtig. Außerdem war er auf Instagram noch nicht vergeben, also hat sie jetzt ihren eigenen Account: @sandrinscherai. Dort findest du sie und alle möglichen KI-Experimente, die ich in der nächsten Zeit poste.

Das ist gar nicht so einfach. Ich habe das Gefühl, dass KI auf Instagram schlecht ausgespielt wird, und ich erlebe Leute, die sich KI komplett verweigern. Das finde ich zum Kotzen. Es ist mein Blog, ich darf das so schreiben.

Was sie ist

Sandrinscher ist small but mighty. Das Erste, was ChatGPT und ich gemacht haben: Wir haben aufgehört, sie als lustige, tapsige Figur zu sehen. Sie ist eine kleine Frau, wahnsinnig mutig in einer großen Welt, die ohne Angst auf Dinge zugeht. Ich glaube, das ist es, was ich mir wünsche: ohne Angst auf Dinge zugehen.

Sie macht das, indem sie sich zum Beispiel mit Möwen anfreundet. So etwas würde ich nie tun. Sie lässt sich von einer Möwe füttern. Sie turnt auf einer Tastatur herum. Wenn ich auf einer Tastatur herumlaufe, kannst du die Tastatur danach wegwerfen.

Ein paar Regeln hat sie inzwischen. Sie spricht nie. Kein Voiceover, immer Musik, jede Aussage läuft über eine Sprechblase. Sie ist winzig, die Welt ist riesig, das ist der ganze Trick: Der Schreibtisch, die Bücher, der Kugelschreiber sind riesig. Jede Geschichte hat einen Anfang, Pointe und Abgang, meistens mit Winken. Ihr Gesicht darf sich nie verändern. Sobald eine KI es morpht und sie plötzlich fremd aussieht, kippt der Charme ins Unheimliche.

ChatGPT hat es an einem Abend so zusammengefasst: „Die Leute fanden nicht die Animation süß. Sie fanden sie süß.“ Das ist bis heute die wichtigste Erkenntnis des ganzen Projekts.

Die Werkstatt, und was schiefgeht

Kurz oder nicht kurz gesagt: Wir haben viel experimentiert. Was ich gelernt habe: Eine KI baut die Figur jedes Mal komplett neu auf und ist überzeugt, das sei doch die Figur. Sie sieht aber immer anders aus. Higgsfield macht eine niedliche kleine Frau. Canva macht diese niedliche kleine Frau. Das ist ein riesiger Unterschied.

Deshalb gibt es jetzt die Urfigur, die heilig ist und nie mehr verändert wird, und daraus ein Character-Sheet. Die Welten wechseln, die Figur nicht. Statt „Mach mir eine neue Sandrinscher im Segelboot“ heißt es jetzt: „Nimm diese Sandrinscher und setze sie in ein winziges Segelboot.“ Jede neue Version, mit der wir Videos generieren, muss das akzeptieren.

Character Sheet: links Sandrinscher in dunkelblauer Bluse auf dem Schreibtisch, rechts dieselbe Figur im pinken Blazer mit Handy vor weißem Grund

Der erste Versuch damit war, ihr meinen pinkfarbenen Blazer anzuziehen. Der steht ihr fantastisch. Mir passt er im Moment überhaupt nicht, ich habe zugenommen, und ja, ich bin ein bisschen neidisch. Bei ihr sitzt der Blazer so, wie er bei mir erst nach fünfzehn, sagen wir zwanzig Kilo weniger sitzen wird. Ansporn. Wenn ich ihn wieder trage, sehen wir beide fantastisch aus auf einer Bühne. Challenge accepted.

Ganz oft denke ich im Alltag bei einer bestimmten Bewegung: Canva hat die Figur tatsächlich so erfasst, wie ich mich bewege. Rein zufällig, durch das Auseinandernehmen und Zusammensetzen von Pixeln, bewegt sie sich, wie ich bin. Momentan ist es so, dass sie nur in Canva richtig animiert wird. Das muss sich entwickeln.

Selbst die Fehlversuche sind süß. ChatGPT hat mir geraten, sie nicht zu löschen. Archivieren, unter dem Titel „Die verlorenen Szenen“. Ein paar davon haben es in die Videos geschafft, eine ist wirklich verloren:

  • Der halbe Kaffeebecher, auf den sie mit einem hellblauen Kugelschreiber schreibt, den sie aus dem Nichts hervorzaubert. Zu sehen im Strandpromenaden-Video unten.
  • Die schwebende Laterne. Ich hatte „Laterne“ geschrieben, Canva verstand „tragbares magisches Leuchtwesen“ und ließ den Pfahl weg. Sandrinscher lächelte die Laterne freundlich an. Seitdem sind die beiden miteinander bekannt. Ebenfalls im Strandpromenaden-Video.
  • Die Mandelaugen. Auf dem Standbild sieht sie aus wie ich, sobald Canva die Zwischenbilder berechnet, sieht sie aus, als hätte sie drei Monate lang ausschließlich Anime geschaut.
  • Der rote Teppich, der ausgerollt wird und weg ist, sobald sie sich umdreht. In den Outtakes ganz unten.
  • Elvis-Sandra. Verschollen. Es gibt sie wirklich nicht mehr, nicht mal als Datei, weil Canva just nach Fertigstellung abgestürzt ist und das kleine Video dabei nicht gespeichert werden konnte. Tragisch.

Zum Schluss die Outtakes, unter anderem mit dem roten Teppich:

ChatGPT hat dazu einen Satz gesagt, den ich mir gemerkt habe:

Die lustigsten Ergebnisse entstehen aus 80 Prozent Absicht und 20 Prozent KI-Wahnsinn, nie aus perfekter Kontrolle. Genau diese 20 Prozent liefern den hellblauen Kugelschreiber auf dem halben Kaffeebecher.

Der Prompt ist nicht die Figur

Mehrere Freundinnen haben mich gebeten: „Schick mir wenigstens den Prompt, ich will das mal probieren.“ Habe ich gemacht. Auch bei jemandem aus meinem Netzwerk. Dabei ist etwas passiert, bei dem ich bis heute zwischen Schadenfreude und großer Freude schwanke. Die Person kann das ab, sorry hierfür.

Heraus kam eine kleine Figur. Die war eine kleine Figur. Sie war weder niedlich noch charmant noch süß noch verzückend. Das hat die Person selbst festgestellt und gefragt: „Was fehlt denn da?“ Ich habe gesagt: „Möglicherweise liegt es an dem, was du reingegeben hast. In der Parfümerie haben wir früher gesagt: Aus einem Pisspott kannst du keine Sammeltasse machen. Wenn du nicht dieser Typ bist, ein bisschen charming, in mancher Hinsicht ein bisschen flirty, dann wird deine Figur ums Verrecken nicht niedlich. Es wird eine kleine Figur, die durchs Programm führt. Es ist keine Sandrinscher.“
Dann haben wir gemeinsam darüber gelacht.

Meine Mutter hat etwas, das man vom Typ her „charming“ nennt, in der Art zu sprechen, in der Art zu sein. Ich habe neulich die Rückmeldung bekommen, dass ich davon eine ganze Menge mitbekommen habe. Das hätte mir mal jemand mit sechzehn Jahren sagen sollen, ich hätte in der Pubertät weniger gelitten. In dem Moment mit der fremden Figur war ich richtig stolz, ein paar Mutti-Gene zu haben. Das hast du wohl von deiner Mutti, und Sandrinscher hat es von uns beiden.

Das ist das Schönste an ihr: Sie spiegelt etwas, das irgendwo in mir ist und das ich lange nicht wusste. Sie bringt es auf ihre charmante Art nach außen. In einer Welt, in der die Stimmung schlecht ist und Menschen einander hassen, sorgt sie einfach für gute Stimmung. Dann ist sie auch noch mutig. So ein Mini-Me kann dich schon ins Nachdenken bringen. Positiv gesehen.

Deshalb habe ich den Prompt gern im kleinen Kreis weitergegeben. Er ist der kleinste Teil. Die Frage ist, was du daraus machst.

Was sie gekostet hat

Ehrlich gerechnet: Für die kurzen Videos habe ich vielleicht die Arbeitszeit von zwei Wochen investiert, wenn das reicht. Canva und ChatGPT laufen als Jahres- und Monatsabo sowieso. Dazu kamen Higgsfield und Hedra, mit denen Bruder Code und ich gearbeitet haben, und wir haben unglaublich viele Token verballert. Im ersten Monat Higgsfield gingen alle Credits für Sandrinscher drauf, rund 50,– €. Hedra, rund 30,– €. Viele Ressourcen für eine kleine Figur. Aber du musst Ressourcen nutzen, um dich auszuprobieren, zu lernen und zu scheitern. Das ist wichtig. Trotzdem bin ich heute weiter, als ich es je gewesen wäre, hätte ich vor Jahren angefangen, sie zu zeichnen und Bild für Bild zu animieren.

Wo sie hinwill

Sandrinscher soll noch ganz viele Abenteuer erleben. Sie soll durch meine Präsentationen laufen und durch meine YouTube-Videos. Sie soll auf meiner Website Menschen begrüßen. Auf der Startseite tut sie das schon, auf der Kontaktseite passiert ihr ein Fehler, den wir absichtlich drin gelassen haben.

Meine Lieblingsidee: Mitten in einem Vortrag öffnet sich auf der Folie eine Tür, die vorher niemand gesehen hat. Sandrinscher schlurft im Bademantel gähnend quer über die Folie, stellt fest, dass da unglaublich viel wichtiges Publikum sitzt. Sie verschwindet durch eine Tür, die eben noch nicht vorhanden war. Sie steckt eine Sekunde später noch mal den Kopf raus, um zu prüfen, ob da wirklich so viele Leute sitzen, und kommt auf der nächsten Folie wieder rein und schiebt ein Schild ins Bild. Ich habe tausend solcher Ideen. Sie sind technisch möglich, wenn Bruder Code sie baut.

Bis dahin darf sie einfach so sein, wie sie ist. Süß. Total süß. So wie ich. Wie ist das bei dir? Hast du auch ein Mini-me?

Gedruckte Signatur mit Logo von Sandra Dirks

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