Webinar? Kannste auch. Teil 2: Wo macht man ein Webinar?

Live Online lernen

„Na, online! Wo sonst!“

Das könnte man hier selbstbewusst antworten. Gerne darf es aber auch mal etwas präziser sein.

Neulich tauchte auf Facebook diese Frage eines Visualisierer Kollegen auf, der sich jetzt näher mit Webinaren auseinandersetzen möchte:

What’s your webinar software of choice? I’m searching for an interactive-live-webinar-solution. Any thoughts on that? –
Welche Webinarsoftware nutzt du? Ich suche eine interaktive Webinarlösung.

Was passierte?

Drei weitere Kollegen und ich hämmerten sofort unsere Lieblingssoftware bzw. Plattformen in den Thread. Verlinkten sie, fügten noch ein paar begeisternde Worte hinzu. Boten an, ihm die eigene Lösung gerne vorzuführen. So möge er glücklich werden.

Eine amerikanische Kollegin machte etwas anderes, und das war wirklich schlau. Sie stellte die Frage in den Raum, ob es nicht klüger sei, wenn sich der fragende Kollege erst mal überlegt, was er konkret möchte? Wäre das, was wir jetzt gemacht haben, denn nicht schon der 2. Schritt vor dem ersten? Hm, leider hat sie recht.

Sie hatte mich gepackt. Ich kam ins Nachdenken, und zu dem Schluss, dass ich so ja niemals meine Kunden auf der Suche nach einer Webinarplattform beraten würde. Da mache ich doch auch den 1. Schritt vor dem 2.

 

Falls jemand mich fragt: Wie war das denn bei dir? Sieh mal:

Mein eigener Weg ins Webinar: Alles, alles, alles, aber bitte für kleines Geld!

Mein eigener Weg ins Webinar ist hier gar nicht hilfreich. 2003 lernte ich bei Lore Ress von Daten&Dokumentation die geniale Plattform von Centra kennen. Ich war hin und weg. Alles, was ich aktiv im Seminarraum machen konnte, das konnte ich 1 zu 1 auch in dieser Plattform umsetzen. Außer Hochseilgarten und Erlebnissegeln eben. Aktivitäten und Gruppenräume, hach, ein Traum. Die Kamerafunktionen waren damals noch nicht so ausgereift. Wohl eher begrenzt durch wenig Bandbreite. Heute ist das leichter.
Ich wollte also experimentieren, alle meine Themen live online bekommen. Das Unternehmen für das ich damals arbeitete davon überzeugen, was das für eine geile Sache ist. Das Leben, das hätte so schön sein können.

Wäre da nicht die klitzkleine Kleinigkeit der Lizenzgebühren gewesen. Irgendwas mit 160.000,00 € nicht gerade ein Schnäppchen. Ganz sicher auch nicht für ein Unternehmen, das sich damals gerade auf eine Krise zubewegte. Ich habe noch nicht mal weiter recherchiert, ob es sich hierbei um den jährlichen oder einmaligen Preis handelte. Die Zeit war eben nicht reif, und die Kosten immens.

So, jetzt geh mal los und suche eine Plattform, die die Funktionen eines Mercedes hat, aber den Preis eines Lada, Dacia oder sonst irgendeinem, sagen wir mal, billigen Autos.
Ich habe viel herumprobiert. Hatte irre viele Testaccounts in irgendwelchen Systemen, aber entweder fehlten Funktionen, die ich mir als Mindestanforderung mittlerweile wünschte, oder der Preis war immer noch zu hoch. Kompromisse sind ja so im Leben gar nicht mein Ding.

Es war hoffnungslos. Erst 2010 fand ich eine Lösung, die ein paar der Ideen meiner ersten Erfahrungen ermöglichte, edudip. Ich war weichgeklopft, und ein wenig kompromissbereit. Die Firma war damals noch in Gründung, und als Kundin der 1. Stunde konnte ich für lau viele Ideen anbringen und experimentieren. Aber eine solche komplexe Technik, wie eine Webinarplattform, die ist eben nicht einfach zu rocken, und muss sich langsam entwickeln, wenn sie den Kunden eine gewisse Stabilität ermöglichen möchte. Das habe ich auch schon gelernt.  *tiefer Seufzer*

Was ich damit sagen will: Du musst ein guten Mix finden, zwischen dem, was du dir wünschst, und dem was in deinem Budget technisch machbar ist.

Und ja: Du wirst an der einen oder anderen Stelle auch Kompromisse eingehen müssen.

Kurz: Du kommst nicht umhin, dir über deine Ziele absolut im Klaren zu sein.

Webinartrainerin

 

Beginnen wir nun mit dem 1. Schritt

Beginnen wir lieber vernünftig und strukturiert

Aufzaehlung_SchrittWie arbeitest du in deinen Seminaren und Workshops?

Hier geht es darum, dass du dir klar machst, wie viel Aktivität du von deinen Teilnehmern erwartest, damit sie die Lernziele erreichen. Es geht erstmal nur darum herauszufinden, wie du arbeitest. Mach dir dazu ein paar Stichpunkte. Die folgenden Leitfragen können dir dabei eine Hilfe sein:

  • Wie viele aktive und passive Phasen gibt es in deinen Veranstaltungen?
  • Müssen deine Teilnehmer dir immer nur zuhören, oder dürfen sie auch mal selbst etwas tun, um den Stoff wirklich zu be-greifen?
  • Schickst du deine Teilnehmer auf eine Erlebnisreise, bei der sie etwas herausfinden müssen?
  • Zeigst du etwas, das deine Teilnehmer sofort nachmachen, z.B. bei einer Softwareanwendung, oder im Visualisierungstraining. In der Ausbildung zum Physiotherapeuten wäre auch das Training einzelner Handgriffe sehr wichtig.

Aufzaehlung_SchrittWelche dieser Arbeitsweisen möchtest du am liebsten 1 zu 1 in deinen Webinaren abbilden?

Hier schaust du, was die Mindestanforderungen sind, um deine Lernziele zu erreichen.

Nehmen wir noch mal das Beispiel mit der Physiotherapie, ohne dass ich davon große Ahnung hätte. Aber hier ist es wichtig, dass bestimmte Hand-/oder Massagegriffe trainiert werden. Live im Trainingsraum besteht die Möglichkeit, immer korrigierend einzugreifen.
Überleg mal, wenn du neben deinen Teilnehmern stehst, reicht es dir zuzusehen, was deine Teilnehmer machen?

Würde es also auch reichen, wenn du nur ein Kamerabild von dem siehst, was dein Teilnehmer macht?

 

Nehmen wir das Beispiel „Visualisieren“: Ist es dir wichtig, die Ergebnisse deiner Teilnehmer sofort zu sehen? Oder reicht es dir, wenn die Teilnehmer nur sehen, was du machst, es dann selbst einmal ausprobieren, und erst viel später dein Feedback erfolgt? z. B. in einer extra Diskussionsrunde, bei der du die Visualisierungen deiner Teilnehmer in den Webinarraum hochlädst, in dem du sie mit allen besprichst und ein Feedback gibst. Das macht auf jeden Fall einen Unterschied in Bezug auf die Webinarplattform.

  • Inwieweit helfen dir Umfragen und Abstimmungen, den Teilnehmern dein Wissen zu vermitteln?
  • Welchen Stellenwert haben Diskussionsrunden, z.B. Freischalten von Mikro und/oder Kamera, entweder einzelne Teilnehmer, oder in der Kleingruppe?
  • Möchtest du gemeinsam mit den Teilnehmern aktiv werden, z.B. auf dem Whiteboard, im Chat, in Brainstormingsettings, MindMaps etc. ?
  • Wie steht es um den Einsatz kleiner Videos?
  • Möchtest du deinen Bildschirm den Teilnehmern zeigen? (Screensharing)
  • Möchtest du gemeinsam mit deinen Teilnehmern in einem bestimmten Programm arbeiten?

 

Aufzaehlung_SchrittKonkrete Lernziele helfen dir jetzt hier weiter

Wenn du jetzt schon eine kleine Idee von dem hast, was du gern möchtest, dann ist das gut. Es geht hier noch gar nicht darum, ganz konkret deinen Webinarablauf zu planen. Dazu brauchst du noch mehr Aspekte. Außerdem solltest du schon wissen, wo dein Webinar stattfinden soll.
Hilfreich ist es auf jeden Fall, wenn du deine Lernziele schon mal möglichst konkret formulierst. Die Lernziele sollten möglichst klar gegliedert sein.

Sie müssen nicht so perfekt operationalisiert sein, wie in einer Ausbildereignungsprüfung. Aber klar genug, um darzustellen, was bei dir gelernt werden soll. Denk auch unbedingt an die unterschiedlichen Arten von Lernzielen:

Lernziele

Schreib erstmal alle Deine Lernziele auf, ganz egal, wie viele. Vielleicht machst du aus deinem Thema dann sogar eine Webinarreihe.

 

Aufzaehlung_SchrittJetzt schau dir verschiedene Anbieter an

Mit Deinen Vorüberlegungen und deinen Lernzielen zusammen schaust du dir jetzt verschiedene Webinaranbieter an.

Hier eine kleine Auswahl:

http://bigbluebutton.org/

https://zoom.us/ 

http://www.edudip.com/

Adobe Connect: http://www.adobe.com/de/products/adobeconnect/buying-guide.html  und http://www.adobe.com/de/products/adobeconnect.html

http://www.spreed.com/eu

http://www.gotomeeting.de/

http://vitero.de/de/

Ich weiß auch, dass es noch viel mehr Anbieter da draußen gibt.

Alle bieten entweder eine kostenlose Testversion an, oder haben grundsätzlich kostenlose Accounts im Angebot.

Nur, falls du fragst: Meine Favoriten sind natürlich edudip und Adobe Connect. 🙂

 

Aufzaehlung_SchrittLeitfragen für die Auswahl deiner Wunschplattform

 

Was ist dein Eindruck, wenn du den Raum betrittst?

Ein wichtiger Punkt, der keine klassische Leitfrage zur Auswahl ist, aber der das Gefühl anspricht, was du selber beim Betreten des virtuellen Raumes der Plattform empfindest. Mir ist z.B. sehr wichtig, dass der Raum professionell aussieht, dazu gehört für mich die Farbgebung, und die Tatsache, dass der Raum nicht so hässlich aussieht, wie eine selbst programmierte Webseite in den 90ern. Das ist für mich ein echtes Ausschlusskriterium, ich bin da visuell, und wenn das nicht passt, dann fühle ich mich nicht wohl.
In meiner Auswahl oben gibt es drei Räume, die ich so hässlich finde, dass sich mir die Haare sträuben. Selbst wenn sie billig wären, und alles könnten, was die Welt braucht, ich würde sie nicht buchen.

 

In welcher Sprache ist die Plattform erhältlich?

Mir ist es grundsätzlich egal, ob es eine englische, oder eine deutsche Plattform ist. Ich komme damit zurecht. Einer meiner Arbeitsschwerpunkte ist es aber, den Menschen die Angst vor Webinaren zu nehmen. Dafür ist es wichtig, dass meine Kunden sich schnell und sicher auf der Plattform zurechtfinden, also schnell den Überblick über Funktionen und Möglichkeiten erhalten. Dabei ist eine deutsche Benutzeroberfläche für meine Kunden wirklich hilfreich.

 

Muss der Kunde etwas installieren, um an den Webinaren teilzunehmen?

Wenn ja, dann ist das für mich leider ein absolutes Ausschlusskriterium für eine Plattform. Meine Kunden kommen zum Teil aus Unternehmen oder der öffentlichen Verwaltung, und möchten von ihrem Arbeits-PC aus an den Webinaren teilnehmen. Installationen müssen intern mit der IT-Abteilung abgestimmt werden.

it-Mann

Zu recht wehren sich IT-Abteilungen dagegen, mal eben ein Plugin hier oder da zu installieren. Möglicherweise ist es mit der internen Software nicht kompatibel, dann kannst du dein schönes Webinar vergessen.
Zoom ist eine coole Plattform, leider benötigt es ein Plugin, um am Webinar teilzunehmen. Schade.

 

Wie viele Teilnehmer werde ich haben?

Das ist wichtig um zu wissen, welche Paketgröße für dich in Frage kommt. Manche Systeme schnüren ihre Pakete nach Teilnehmermenge, andere eher nach Funktionen des Webinarraums. Hier kannst du evtl. sparen. Planst du wirklich deine ersten Webinare mit über 100 Teilnehmern? Wäre es stattdessen nicht interessanter das kleinere Paket eines anderen Anbieters zu nehmen, der nur Platz für 25 Teilnehmer bietet, dafür aber wirklich tolle Funktionen, die genau mit deinen Lernzielen einher gehen?

 

Wie online affin sind deine Teilnehmer?

Sind deine Teilnehmer erfahrene Nutzer, oder eher wenig erfahren mit dem Thema? Das spielt eine große Rolle. Das ist z.B. einer der Gründe, warum ich mich für edudip als Hauptplattform entschieden habe, im Gegensatz zu Adobe Connect. Ich mag sie beide sehr. Aber ich habe festgestellt, dass sich meine Teilnehmer aus dem Train-the-Trainer-Thema wohler fühlen bei edudip. Es gibt weniger Möglichkeiten etwas einzustellen, und die Einstiegshürde für eigene Webinare ist leichter. Zudem habe ich einfach in den letzten Jahren diese Erfahrung gemacht, wenn ich mit einzelnen Gruppen auf beiden Plattformen gearbeitet habe. Das ist meine Erfahrung, aber vielleicht beobachtest du etwas anderes. Ganz wichtig ist hier wirklich die Zielgruppe.

 

Sind alle Funktionen, die ich gerne hätte auch verfügbar? Wobei muss ich Abstriche machen? Erreiche ich noch meine Lernziele, wenn ich auf bestimmte Funktionen verzichte?

Kleine Checkliste:

  • Chat öffentlich
  • Chat privat
  • Mikrofon freigeben (audio)
  • Kamera freigeben (video)
  • Screensharing als Trainer
  • Screensharing als Teilnehmer
  • Application Sharing (Trainer gibt eine Anwendung frei, ausgewählte Teilnehmer können darin arbeiten)
  • Freigabe des Whiteboards
  • Präsentationsfläche
  • Notizen auf der Präsentation durch Trainer und Teilnehmer
  • Umfragen
  • MindMaps
  • Videos einspielen
  • Gruppenarbeitsräume
  • Aufteilung des Bildschirmlayouts durch Trainer
  • Videomitschnitt
  • Materialien zum Download bereitstellen
  • Darstellung der freigeschalteten Videos (z. B. in der Reihe, im Kreis, oder auf einer Präsentationsfläche)
  • Vergrößern des Trainervideos auf der Präsentationsfläche
  • ?
  • ?
  • ?

 

Welches Budget steht mir für das Projekt zur Verfügung?

Da sind wir wieder bei der Frage: Mercedes oder Lada? Mittlerweile bekommt man schon überall ein recht gutes Preis- Leistungsverhältnis, inklusive vieler Zahlungsmöglichkeiten. Erschwinglich auch für Einzeltrainer oder kleine Unternehmer.

 

 


 

Ich hoffe, dass du hier ein paar Ideen gefunden hast, die dir den Weg ins Webinar ein bisschen leichter machen.

 

Das war jetzt eine ganze Menge Stoff, die es zu bedenken gilt. Ich hoffe, dass dir jetzt nicht der Kopf zu sehr raucht. Nimm dir Zeit, um das Thema gut zu durchdenken. „Machen Sie mal eben ein Webinar!“, das funktioniert hier einfach nicht. Schon in der Vorbereitung der Vorbereitung gibt es hier viel zu tun.

Vielleicht habe ich aber auch etwas ganz Wichtiges vergessen. Dann lass es mich in den Kommentaren wissen. Selbstverständlich ist das, was du hier liest auch immer mein ganz persönlicher sehr subjektiver Eindruck. Viel Spaß bei deiner aufregenden Reise ins Webinarland. 🙂

Signet_Deine

P.S.

Besuch mich doch einfach mal in meinem kostenlosen Webinar „Webinare erstellen Teil 1: Webinare sinnvoll strukturieren“  Ich freu mich, dich dort zu treffen!

Sandra Dirks

Hallo, ich bin Sandra!
Ich blogge über Flipcharts und Methoden, um zauberhaften Menschen dabei zu helfen, Ideen zu finden, für quirlige, überraschende und unvergessliche Events.

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