Webinar im Moderatoren-Tandem Teil 2/4: Interviewsituation

Trainingstipps

Bei einem Moderatorenpaar lauschen wir zwangsläufig einem Gespräch. Das regt meine Fantasie an und lässt auch viel besser Bilder im Kopf entstehen.
Ich belausche außerdem wahnsinnig gerne Menschen, die sich im Restaurant oder im Zug unterhalten. Worüber sprechen die denn so?

Einer fragt, der andere antwortet. Wenn es lustig, oder ziemlich crazy ist, dann schreibe ich einfach die Dialoge komplett mit, man weiß nie, zu welcher Belustigung ich sie vielleicht zitiere.

Ich finde es angenehm, einem eingespielten Moderatorenpaar im Radio zu lauschen, dass sich gekonnt die Bälle zuwirft. Ich höre nur morgens im Bad Radio, so maximal eine halbe Stunde am Tag. Hier will ich auch, du ahnst es, unterhalten werden und nebenbei Informationen aufnehmen.

Großartig finde ich auch die Kombination Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt aus der NDR-Talkshow. Kennst du auch, oder? Sonst schau mal rein. Hier macht es die Unterschiedlichkeit der beiden Moderatoren. Über die Unterschiedlichkeit schreibe ich aber in einem Extra Kapitel. Bleib dran. Heute geht es um Interviewsituationen.

Es gibt zwei Arten des Interviews, die ich hier unterscheide:

1. Smalltalk-Ein- und Ausstieg

Ein paar lockere Fragen zum Einstieg, einige Minuten, bevor das Webinar richtig beginnt. Frage deinen Moderatorenkollegen nach dem Wetter, dem heutigen Kantinenessen, oder sprecht vielleicht über Fußball. Als Braunschweigerin würde ich mit einem Hannoveraner Kollegen unbedingt mit Fußball einsteigen, auch wenn ich nur wenig Ahnung habe.
So zum Warmwerden, bevor es richtig losgeht. Lausche mal ganz genau hin, welche Worte und Sätze die Moderatoren in Unterhaltungsformaten zum Warmwerden wechseln. Notiere dir ein paar Stichpunkte. Das kann schon fachbezogen sein, sollte aber lieber sehr allgemein gehalten werden.

Sehr unterhaltsam empfanden die Teilnehmer auch diese Situation:

Ich:

„Hallo liebe Frau X, schön, dass Sie schon hier sind, lassen Sie uns ein wenig reden, bevor es losgeht, damit die Teilnehmer, die sich hier nach und nach einfinden auch ihren Ton ein wenig justieren können. Frau X, wo sitzen Sie denn gerade und wie ist das Wet… Ahhhhhh, oh mein Gott! Hier ist eine Spiiiiinnneeee! Sie krabbelt aus dem Blumenstra…Hilf…oje direkt auf …. flllatsch…rrrrrrumms…“ Es rauscht.

Frau X:

„Frau Dirks? Hihi, witzig, huhu?“

Ich *brülle ins Mikro*:

„TOT! Tot isse!“

Frau X:

„Richtig so!“

Applaus im Chat bei den vorhandenen Teilnehmern. Sofortige Zustimmung.

Ich:

„Oh, Verzeihung. Das ist live. Frau X, jetzt sagen Sie doch mal, wo… wie… was…“

 

Auf diese Weise ist übrigens in der Veranstaltung ein Callback (mehr Info zum Callback s. hier) entstanden, der genau wie im Präsenztraining immer wieder für einen Lachen oder ein Kichern sorgte.

Denk immer daran, dass es noch viele Teilnehmer gibt, die Angst vor Webinaren haben- oder vor Spinnen, und die ganz erleichtert sind, wenn sie zu Beginn echte Menschen, mit menschlichen Themen hören. Das dient dem Wohlfühlgefühl. Ich rede hier von den Minuten, unmittelbar bevor das Webinar beginnt. Die ersten Minuten eingeschlossen. Bleibe in diesem lockeren Modus. Dass du Wissen vermittelst, das muss dich nicht in einen stocksteifen Moderator verwandeln. Bitte nicht. Nein, auch nicht für deine busy CEO-Kunden!
Als Lehrtrainerin ist es mir wichtig, für eine gute Lernatmosphäre zu sorgen. Egal, ob online oder im Präsenztraining.
Wenn  ihr also als Team mit einem kurzen Smalltalk einsteigt, dann unterstützt ihr damit die gute Atmosphäre.
Wenn du in diesem Moment noch eine Spinne tötest, oder die Katze ausnahmsweise aussperren musst, dann zeigt das, dass ihr eben auch Menschen seid.

Sandra Dirks - Fail im Webinar

Cat-Content lauert überall.

Danach sollte es dann aber auch wirklich gut sein mit diesen Störungen. Prüfe, dass ihr wirklich ungestört seid. Dennoch sind Pannen grundsätzlich menschlich.

Richtig schön ist es aber, wenn ihr euch schon mal vorher zu einem lockeren Talk verabredet. Dann ist auch schon die Vertrauensbasis vorhanden.

 

Die 2. Variante des Interviews ist ein wirkliches echtes Interview:

Als Moderator hast du die Fragen der Teilnehmer z.B. aus dem Chat gesammelt. Ich kopiere diese Fragen immer  in eine Powerpoint-Datei. Wenn wir im Webinar bei der Fragerunde angelangt sind, dann lade ich die Präsentation mit den Fragen, so wie sie sind in den Webinarraum. Ich sammle die Fragen einfach ohne Schnickschnack, denn hier dient diese Präsentation dem Fachmann als Gedächtnisstütze. Ein Spickzettel. Aber auch als Kontrolle für den Teilnehmer, dass seine Frage wirklich mit aufgenommen wurde.

Gut, dass ihr alle Fragen notiert habt. So könnt ihr sie strukturiert dem Fachmann stellen. Er kann dann einfach aus der Praxis sprechen.

Diese Interviewrunde kann sowohl irgendwann in der Mitte des Webinars stattfinden, als auch am Schluss. Ihr könnt die Themen splitten. Wenn euer Webinar zwei Schwerpunktthemen enthält, dann macht ihr nach dem Abschluss des 1. Themas die erste Fragerunde. Behaltet dabei aber unbedingt den Zeitrahmen im Auge!

Behaltet immer die kostbare Webinarzeit im Blick.

Lade die Datei auf die Präsentationsfläche des virtuellen Raums und lies zusätzlich die Frage vor. Das lockert auf, weil du evtl. noch mehr, als nur die Frage beitragen kannst:

„Der Herr … hat die folgende Frage gestellt, nachdem Sie den Inhalt der Folie 27 vorgestellt haben, Frau X. (Hier die Frage einfügen) Was könnten Sie unseren Teilnehmern hier zusätzlich mit auf den Weg geben?“

Klasse wäre dabei, wenn ihr euch im Kamerabild so einander zuwendet, als würdet ihr wirklich nebeneinander sitzen und das Interview führen. Das braucht ein wenig Übung, bringt aber die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf den Punkt.

 

Damit das Webinar eine runde Sache wird, solltet ihr auch einen lockeren Ausstieg wählen. Ebenso locker, wie beim Einstieg. Bleibt ruhig noch einen Moment gemeinsam im Raum, während sich die Teilnehmer langsam verabschieden und kommentiert dies.

Fazit:

Sicher, rein journalistisch und der reinen Theorie nach ist das, was ich im 1. Teil vorgestellt habe keine wirkliche Interviewsituation. Gleichzeitig kommen aber auch in diesem Teil die beiden Moderatoren ins Gespräch. Das funktioniert am besten über Fragen. Also doch ein Interview. Es ist mir auch völlig egal, wie du das nennst. Hauptsache ist doch, dass ihr es einfach und unterhaltsam rüber bringt. Es lebe die Anschaulichkeit.

Gruß von Sandra Dirks

 

 

 

 

Sandra Dirks

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2 Kommentare auf "Webinar im Moderatoren-Tandem Teil 2/4: Interviewsituation"

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Marit Alke
Gast
Hallo Frau Dirks, das sind wieder absolute Super-Tipps von Ihnen, vielen Dank! Besonders toll finde ich die Bilder 😀 🙂 – dieser kleinen Leute bediene ich mich auch ganz gerne mal, um Dinge zu visualisieren. Fragerunden mache ich mittlerweile immer mit einem vorher angelegten „Google Doc“ (Zeichnung), die ich bei Cliqmeet ganz einfach einfügen kann. Den Link zu diesem Dokument kann ich schon vorher an die Teilnehmer schicken, so dass evtl. sogar vorher schon Fragen aufgeschrieben werden können, aber auch im Webinarraum selbst findet das Fragen-Sammeln weiter statt wie auf einem Whiteboard. Das geht ganz wunderbar. Herzlichen Dank für Ihre… Read more »
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